Wärme- und Kältetherapie – Thermotherapie sinnvoll nutzen

VonStefanie Zerres

Wärme- und Kältetherapie – Thermotherapie sinnvoll nutzen

Therapeutische Anwendungen von Wärme oder Kälte werden besonders bei Beschwerden des Bewegungsapparates genutzt. Sie sind dabei weitaus mehr als „nur ein altes Hausmittel“. Oftmals wird die Thermotherapie sogar ärztlich verordnet und in Arzt- oder Physiotherapiepraxen professionell durchgeführt.

Doch egal, ob Wärme oder Kälte in Form von Kirschkernkissen oder Tiefkühlerbsen zu Hause genutzt oder z. B. als Domäne der Physiotherapie von Experten angewendet wird – die Ergebnisse können sehr vielversprechend sein. Häufig kann damit der Weg für weitere therapeutische Schritte geebnet werden. Zu beachten sind dabei immer die jeweiligen passenden Indikationen. So kann Wärme beispielsweise bei Muskelverspannungen sehr hilfreich, bei Entzündungen oder Schwellungen hingegen eher schädlich sein. In diesen Fällen sollte nämlich eher gekühlt werden. 

Bei beiden äußeren Anwendungen ist immer darauf zu achten, dass die Haut nicht geschädigt wird. Denn Wärme und Kälte kann das Empfinden dafür unter Umständen beeinflussen, daher gilt: Wärme- oder Kältequellen nicht direkt auf die Haut aufbringen, sondern z. B. ein Tuch unter die Thermoquelle legen. Besonders Patienten mit ohnehin gemindertem Temperaturempfinden, wie Diabetiker, sollten vorsichtig mit den Anwendungen sein und ggf. durch eine weitere Person prüfen lassen, ob es nicht zu kalt oder warm ist. Auch Krebspatienten sollten die therapeutische Nutzung von Wärme oder Kälte mit ihrem Arzt absprechen.

Wärme entspannt und regt die Durchblutung an

Wärme kann dem Köper mit therapeutischer Intention zur Erhöhung der Körpertemperatur insgesamt – z. B. durch Bäder oder Saunagänge – zugeführt oder lokal angewendet werden. Die klassische Wärmeflasche, aber auch Salben mit wärmendem Effekt sind für letzteres typische Beispiele. Generell bewirkt die Erwärmung Entspannung der Muskulatur sowie eine bessere Dehnbarkeit von Bindegewebe und sie vermindert die Viskosität der Gelenkflüssigkeit. Außerdem regt sie die Durchblutung an, da sich die Blutgefäße erwärmt weiten. Somit werden zum einen Stoffwechselabfallprodukte besser abtransportiert und zum anderen Botenstoffe des Immunsystems vermehrt in den Kreislauf gebracht. Der Stoffwechsel wird also mit der verbesserten Durchblutung gesteigert. Auch Schmerzen können durch Entlastung der Nervenbahnen gelindert werden.

Im Bereich der lokalen Wärmetherapie gibt es verschiedene Verfahren, die sich häufig durch die genutzte Wärmequelle unterscheiden. Dazu werden unter anderem Fango- oder Moorpackungen, Körnerkissen, Wärme-lampen oder warme Wickel eingesetzt. Des Weiteren können spezielle Ultraschallgeräte oder solche, die elektromagnetische Felder erzeugen, für eine Erwärmung des tieferen Gewebes genutzt werden.

Die entspannende Wirkung bei muskulär bedingten Schmerzen kann häufig für weitere therapeutische Schritte genutzt werden. Beispielsweise kann die Muskulatur dann durch manuelle Techniken leichter gelockert werden.

Kälte hilft bei Entzündungen und Schwellungen

Im Gegensatz zur Wärme verengen sich die Blutgefäße unter Einfluss von Kälte eher und ziehen sich zusammen. Die Durchblutung wird verringert und Stoffwechselprozesse werden verlangsamt. Der Körper profitiert von der Kälte besonders bei Schwellungen und Entzündungen. Auch schmerzleitende Nerven und Rezeptoren können durch Kälte blockiert werden, wodurch eine Schmerzlinderung erfolgen kann. Angewendet an Gelenken, erhöht sich die Viskosität der Gelenkschmiere durch Kälte. Der Einfluss von Kälte auf die Muskulatur ist abhängig von der Länge der Anwendung: Unter kurzzeitigem Kälteeinfluss ist die Muskulatur eher angespannt, während die längere Anwendung einer zu stark erhöhten Muskelspannung entgegenwirken kann.

Mittels Eisgüssen, dem Auflegen von Kühlpacks oder kalten Umschlägen kann Kälte als sogenannte Kryotherapie abhängig von der gewählten Temperatur zu verschiedenen Zwecken lokal genutzt werden. Häufig sind es akute Verletzungen wie z. B. beim Sport, bei denen Kälte als Sofortmaßnahme genutzt wird. So ist dies Bestandteil der sogenannten PECH-Regel: Pause, Eis, Kompression (engl. compression), Hochlagern. Aber auch bei chronischen Beschwerden kann Kälte hilfreich sein. So z. B. bei Rückenschmerzen, denen Entzündungen, Nervenreizungen oder Ödeme zugrunde liegen. So berichten manche Physiotherapeuten bei Bandscheibenproblemen von einer positiven Kältewirkung, die sie zur Vorbereitung auf manuelle Therapien oder im Rahmen spezieller Lagerungstechniken nutzen.

Zu der Kryotherapie gehören auch Therapieverfahren im dermatologischen Bereich, bei denen die Kälte genutzt wird, um Gewebe abzutragen. Warzen können beispielsweise durch Stickstoff vereist und damit ohne chirurgischen Eingriff entfernt werden. 

Kälte und Rheuma – der begehbare Kühlschrank

Eine Ganzkörper-Therapie mit Kälte kann in medizinisch genutzten Kältekammern erfolgen. Dort werden Temperaturen in Minusgraden durch Abkühlung der Luft erzeugt. Den Temperaturen von mitunter bis minus 110 Grad werden die Patienten nur für wenige Minuten ausgesetzt. Empfindliche Körperstellen wie Mund, Ohren, Füße und Hände werden geschützt, ansonsten tragen die Patienten nur Badebekleidung. Dadurch, dass es sich in den Kammern um eine trockene Kälte handelt, empfinden die Patienten diese meist nicht als unangenehm.

Der Anwendungsbereich von Kältekammern ist vielfältig. So sollen Patienten mit Hauterkrankungen wie Schuppenflechte oder Neurodermitis sowie Migränepatienten davon profitieren. Der häufigste Einsatz jedoch ist bei rheumatischen Erkrankungen. Der positive Einfluss von Kälte auf Entzündungen wird dabei gesamtkörperlich genutzt. Oftmals wird direkt im Anschluss an den Aufenthalt in der Kältekammer ein körperliches Übungsprogramm absolviert, das dann schmerzfreier ist. Befürworter der zum Teil noch umstrittenen Anwendung von Kältekammern betonen eine Schmerzreduzierung ohne Nebenwirkungen und damit eine Reduzierung von Medikamenten als Pluspunkt. 

von Stefanie Zerres

aus ORTHOpress 4/16

Über den Autor

Stefanie Zerres administrator