Die Trigger-Stoßwellen-Therapie

Ein Interview von Dr. Nicole Schaenzler

Der Münchner Arzt Dr. Wolfgang Bauermeister entwickelte eine neue Therapie zur Ursachenbekämpfung von chronischen und akuten Schmerzen. Inzwischen hat er drei Studien fertig gestellt, deren Ergebnisse auf mehreren wissenschaftlichen Kongressen vorgestellt wurden. Die Resonanz auf diese neuartige Therapie ist in Fachkreisen außerordentlich groß. Das liegt zum einen an den sehr überzeugenden Behandlungsergebnissen, zum anderen an der neuartigen, interessanten Technologie bei der Stoßwellen eingesetzt werden.

Wie kamen Sie auf die Idee, diese neuartige Form von Schmerztherapie zu entwickeln?

Als ich 1988 aus den USA kam, betreute ich Patienten, bei denen Nierensteine mit Stoßwellen ohne Operation beseitigt wurden. Dies war eine Revolution in der Medizin, und ich war von der Technologie fasziniert. Einige Patienten berichteten mir, dass sie seit der Stoßwellenlithotripsie keine Ischiasbeschwerden mehr hatten. Einige Jahre später wurden Stoßwellen auch in der Orthopädie versuchsweise eingesetzt und etablierten sich zur Behandlung von Schulterverkalkungen, Tennisellenbogen und Fersensporn. Schon damals, Mitte der neunziger Jahre, hatte ich das Gefühl, dass es möglich sein müsste, Trigger mit dieser Technologie aufzulösen. Die damaligen Stoßwellen-Geräte waren aber viel zu unhandlich und zu teuer, um im Rahmen einer Praxis eingesetzt zu werden. Im Frühjahr 1999 kam der Swiss DolorClast auf den Markt, der mir für die Behandlung geeignet erschien.
 
Was sind denn eigentlich diese Trigger und warum haben Sie eine so große Bedeutung in Ihrer Therapie?

Trigger sind harte Knoten oder Stränge in der Muskulatur, die an anderen Stellen im Körper Schmerzen auslösen können. Man kennt sie als Myogelosen, von denen wir gelernt haben, dass sie zwar lästig, aber schlussendlich unbedeutend sind. Im Gegensatz dazu versteht die Trigger-Medizin die Trigger als Hauptursache von Funktionsstörungen und Schmerzen des Bewegungsapparates. So können Trigger z.B. Bandscheibenprobleme, Ischiasbeschwerden, Rückenschmerzen, Nacken- und Kopfschmerzen sowie Schulter-, Hüft- und Kniegelenksprobleme und viele sportmedizinische Probleme auslösen. Die Trigger-Medizin jedoch sieht das ganz anders und betrachtet die Trigger als die Hauptursache von Schmerzen des Bewegungsapparates.

 
Wie finden Sie diese Trigger in der Muskulatur?

Ich messe als Erstes die Beweglichkeit der Gelenke, denn Trigger führen zu Verspannungen der Muskulatur und schränken die Beweglichkeit der Gelenke ein. Dadurch erkenne ich, in welchen Muskelgruppen sich Trigger befinden. Dann suche ich in den Muskeln nach tief liegenden Triggern, auf die ich kräftigen Druck ausübe. Wenn dann an einer anderen Stelle im Körper Schmerz auftritt, weiß ich, dass ich einen wichtigen Trigger gefunden habe.

Normalerweise zielt die Schulmedizin in ihrer Behandlung auf den Ort des Schmerzes.  Heißt das, dass Trigger grundsäzlich dort zu finden sind, wo man Schmerzen verspürt?

Wir schauen zu oft dahin, wo der Schmerz sitzt, aber nicht, wo die Ursache sitzt.
Es ist ein großer Irrtum, immer davon auszugehen, dass dort, wo sich die Schmerzen bemerkbar machen, auch die Ursache zu finden ist. Typisch für die Trigger  – die eigentliche Ursache für Schmerzen – ist, dass sie sehr oft gerade nicht in ihrer unmittelbaren Umgebung, sondern weit davon entfernt an einer ganz anderen Stelle des Körpers Beschwerden verursachen.

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Wir wissen aus Ihrem Buch „Schmerzfrei durch Osteopraktik“, dass diese Behandlung nur einmal pro Woche durchgeführt werden sollte. Hat sich das mit der Einführung der Trigger-Stoßwellen-Therapie TST geändert?

Die Trigger-Stoßwellen-Therapie ist wirkungsvoll, aber zugleich so sanft, dass sie auch öfter durchgeführt werden kann. Deshalb kann man die Therapie z.B. ambulant oder im Rahmen eines Klinikaufenthaltes täglich anwenden.

Welche Kliniken wenden Ihre Therapie bereits an?

Die Bannwaldklinik in Ottobeuren/Allgäu ist die erste Klinik in Deutschland, in der die Therapie unter meiner Leitung stationär durchgeführt wird.
 
Es gibt doch schon viele Stoßwellen-Geräte in Deutschland, die im Prinzip für die Behandlung verwendet werden könnten. Können Ärzte, die ein solches Gerät besitzen, sofort Ihre Therapie umsetzen?

Nein, denn der Erfolg der Therapie basiert auf einer exakten Diagnose und auf der richtigen Handhabung des Stoßwellen-Therapie-Gerätes. Außerdem ist nicht jedes Stoßwellen-Therapie-Gerät zur Auflösung der Trigger geeignet. Grundsätzlich muss die sichere Handhabung des Stoßwellen-Therapie-Gerätes in Zertifizierungskursen erlernt werden, um eine erfolgreiche Therapie zu gewährleisten.
 
Woher weiß ein Patient, dass der Arzt oder Behandler die erforderlichen Zertifizierungskurse absolviert hat?

Patienten können sich entweder direkt bei mir in München, in der Bannwaldklinik oder bei der Firma bmedb, die für die Durchführung der Zertifizierungskurse verantwortlich ist, erkundigen.

Dr. Bauermeister, wir danken Ihnen für dieses Interview.

 

aus ORTHOpress 1 | 2002

Alle Beiträge dienen lediglich der Information und ersetzen keinesfalls die Inanspruchnahme eines Arztes*in. Falls nicht anders angegeben, spiegeln sie den Stand zur Zeit der Erstveröffentlichung wider. Die aktuelle Einschätzung des Sachverhalts kann durch Erfahrungszuwachs, allgemeinen Fortschritt und zwischenzeitlich gewonnene Erkenntnisse abweichen. 

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