Inhaltsverzeichnis
- Herr Dr. Sowa, wie entstehen Beschwerden in der Schulter?
- Was kann man tun, damit die Schulter gesund bleibt?
- Welche konservativen Therapieoptionen gibt es bei Schulterbeschwerden?
- Wann macht die operative Versorgung Sinn?
- Welche besonderen Methoden verwenden Sie bei dieser Vorbereitung und während des Eingriffs?
Im Alltag fällt es erstmal gar nicht so auf: Das Tückische an Schulterbeschwerden ist nämlich, dass ihre Ursache oft eine jahrelange Fehlhaltung oder -belastung ist. Dabei können Schultern durch Training und Mobilisationsübungen auch im Alter noch stark sein, wenn man weiß, worauf man achten muss. Priv.-Doz. Dr. med. Boris Sowa ist seit 2024 an der ATOS Klinik Heidelberg tätig. Als Spezialist für moderne, minimal-invasive Schulterchirurgie und den Gelenkersatz an der Schulter, einschließlich komplexer Prothesenwechsel, behandelt er seit vielen Jahren Menschen mit Schulterbeschwerden.
Herr Dr. Sowa, wie entstehen Beschwerden in der Schulter?
Dr. Sowa: Das kommt natürlich auf den individuellen Fall an, aber der Hauptgrund ist, dass man sich über die Jahre hinweg Bewegungsmuster angewöhnt hat, die auf lange Sicht nicht gut für die Schulter sind. Typische Warnsignale der Schulter sind, dass die Beweglichkeit schlechter wird oder Schmerzen auftreten. Diese Signale werden jedoch oft ignoriert, denn die Schulterfunktion kann der Körper relativ lange kompensieren, wenn auch nicht gerade gesund. Wenn jemand seinen Arm zum Beispiel nicht mehr vollständig aus der Schulter heraus heben kann, geht er ins Hohlkreuz und erreicht die restlichen Zentimeter an Höhe aus der Brustwirbelsäule. Leider ist diese Ausweichbewegung weder für den Rücken noch für die Schulter gut, sodass die Beschwerden mit der Zeit eher noch zunehmen.
Was kann man tun, damit die Schulter gesund bleibt?
Dr. Sowa: Eine mobile Brustwirbelsäule, eine kräftige Rotatorenmanschette und gut bewegliche Muskeln sind die entscheidenden Faktoren für die Schultergesundheit. Es gibt einen Test bzw. eine Übung, die man relativ einfach machen kann: Man hängt sich an eine Klimmzugstange und lässt sich einfach hängen. Das sollte man etwa 20 Sekunden halten können. Wenn man sich die Kinder auf dem Spielplatz ansieht: Sie hängen und schwingen mühelos für längere Zeit. Dass einem das als Erwachsenem schwerer fällt, liegt nicht daran, dass die Kraft fehlt: Es ist die fehlende Beweglichkeit im Schultergelenk.
Welche konservativen Therapieoptionen gibt es bei Schulterbeschwerden?
Dr. Sowa: Ich bin ein großer Freund von „Hilf dir selbst“ und Physiotherapie, denn das richtige Training ist essenziell für die Schulter. Bei akuten Schmerzen gibt es beim Orthopäden Optionen wie die Stoßwellen- und Infiltrationstherapie. Diese werden jedoch nur unterstützend bei akuten Schmerzen eingesetzt, damit das Training schnell wieder aufgenommen werden kann und die Ursachen der Beschwerden gezielt angegangen werden. Als Beispiel: Bei vielen Personen mit sitzenden Tätigkeiten bildet sich im Laufe der Zeit eine leichte Krümmung im oberen Rücken. Ist diese ausgeprägt, kann sich das Schulterblatt nicht mehr frei bewegen, was wiederum die Beweglichkeit der Schulter einschränkt. Ist das der Fall, muss die Brustwirbelsäule aktiviert werden, zum Beispiel mit einer Faszienrolle. Sportlich ohnehin aktive Menschen profitieren enorm von den im Internet verfügbaren Tutorials zur Dehnung und Mobilisation der Schulter, wie zum Beispiel dem „Sleeper Stretch“ oder Übungen zur Kräftigung der Rotatorenmanschette mit elastischen Bändern. Wer erst mit den Beschwerden aktiv wird, kann gezielt durch die Physiotherapie Impulse für die richtige Selbsthilfestrategie erhalten.
Wann macht die operative Versorgung Sinn?
Dr. Sowa: Letztlich hängt diese Entscheidung von der Ausprägung der Schädigung ab. Ein „Muss“ ist die Operation nur, wenn ein Schaden vorliegt, den man mit konservativen Mitteln nicht therapieren kann. In diesen Fällen können wir minimalinvasiv und arthroskopisch, also durch kleinste Schnitte, direkt im Gelenk agieren und bspw. die verletzte Sehne nähen. Bei höhergradigem Verschleiß, zum Beispiel bei Arthrose, ersetzen wir den verschlissenen Gelenkanteil mit einem Kunstgelenk. Während der Operation selbst sieht man aber nur die Spitze des Eisbergs. Daher setze ich mich schon vor dem Eingriff mit den besonderen Gegebenheiten des jeweiligen Patienten auseinander, um das Vorgehen unter Berücksichtigung der Knochen- und Gewebestruktur genau zu planen.
Welche besonderen Methoden verwenden Sie bei dieser Vorbereitung und während des Eingriffs?
Dr. Sowa: Wir machen im Verlauf der Diagnostik spezielle computertomografische Aufnahmen der Schulterpartie und erstellen ein 3D-Modell mit genau passenden Größenreferenzen. An dem Modell kann man den Eingriff simulieren und, bei Bedarf, individuelle Kunstgelenke anfertigen lassen. Beim Eingriff selbst verwenden wir außerdem patientenindividuelles Operationsbesteck. Da der Operationsbereich teils nur so groß wie eine 1-Euro-Münze ist, können wir dadurch besonders exakt agieren.
So erreichen wir auch in komplexen Fällen das bestmögliche Ergebnis für unsere Patienten.
Spezielle orthopädische Chirurgie ATOS Klinik Heidelberg
Priv.-Doz. Dr. med. Boris Sowa
Facharzt Orthopädie / Unfallchirurgie
Bismarckstr. 9–15
69115 Heidelberg
Tel.: 06221-983190