Sanft, aber gründlich

Kompaktkuren bei Osteoporose, chronischen Rücken-, Knie- und Hüftgelenksbeschwerden

Den zunehmenden Erkrankungen und Beeinträchtigungen des Haltungs- und Bewegungsapparates in unserer Gesellschaft auf der einen Seite steht vor allem heute ein verändertes Gesundheitsbewusstsein und ein selbstbewussterer Umgang bei der Auswahl und Nutzung medizinischer Angebote auf der anderen Seite gegenüber. Auf Grund der drohenden „Alternativen“ – operativer Eingriff oder lebenslängliche Einnahme hoch dosierter Schmerzmittel – setzen insbesondere chronische Schmerzpatienten zunehmend auf natürliche Maßnahmen zur Linderung ihrer Beschwerden und damit zur Steigerung und Wiedergewinnung ihrer Lebensqualität. Orthopress sprach über diesen Problemkomplex mit Peter Unterreiter vom Therapiezentrum Bad Griesbach.

Herr Unterreiter, welchen Stellenwert nimmt die Kur im Rahmen der Gesundheitssparpolitik ein?

Man muss die Frage anders wenden: Trotz zahlreicher Gesundheitsreformen bleibt die Tatsache bestehen, dass es die Kur weiterhin gibt, dass sie nach wie vor zum Leistungsangebot der Sozialversicherungen zählt. Und in einer Zeit zunehmender negativer Umwelteinflüsse ist sie sinnvoller denn je. Die Bewilligung der Kostenübernahme durch die Kassen richtet sich dabei natürlich nach der medizinischen Notwendigkeit der Maßnahme. Man kann aber sagen, dass die gesundheitspolitischen Einschränkungen (etwa, dass die Kostenübernahme einer Wiederholungskur erst nach Ablauf von vier Jahren bewilligt wird) im Grunde zu einer Optimierung und Qualitätssteigerung der Angebote führt bzw. führen sollte.

Welche Vorteile bietet die sog. Kompaktkur den Patienten, bzw. was ist darunter zu verstehen?

Bei der Kompaktkur handelt es sich um eine Variante der herkömmlichen ambulanten Badekur. Wir definieren damit ein spezifisches Kurprogramm, das – basierend auf den Bad Griesbacher Heilquellen und in Kombination mit verschiedenen traditionellen und neueren Therapiemethoden – auf bestimmte Krankheitsbilder zugeschnitten ist. Die Schwerpunkte unserer Arbeit sind dabei Probleme chronischer Rücken-, Hüft- und Kniegelenksbeschwerden, die Osteoporose sowie vegetative Regulationsstörungen mit Defiziten am Bewegungsapparat. Die Inhalte der Programme einer jeden Kompaktkur richten sich nach dem individuellen Krankheitsbild; Diagnose, Leitsymptome der Erkrankung und Befund liefern also die Basis, auf welcher die Programme und einzelnen Behandlungsmaßnahmen erstellt werden.

Wie gestaltet sich die Durchführung einer solchen Kompaktkur?

Sie besteht aus einem Intensivprogramm, das in kleinen Gruppen bis maximal 15 Teilnehmern durchgeführt wird und zusätzlich Lernelemente zur Selbsthilfe für das spezielle Krankheitsproblem sowie für eine gesundheitsorientierte Lebensweise enthält. Darüber hinaus wird hier die Gruppe während des gesamten Aufenthalts durch einen geschulten Kurbetreuer aus unserem Team begleitet, der für die organisatorischen Abläufe zuständig ist und mit Rat und Tat zur Seite steht. Die Arbeit insgesamt basiert auf dem Team-Work-Gedanken: Bei der Durchführung der Kur steht ein fachübergreifendes Team aus Ärzten, Krankengymnasten, Masseuren und Bademeistern, Sporttherapeuten, Entspannungstherapeuten und Ernährungsberatern zur Verfügung.

Was erwartet den Patienten im Einzelnen?

Neben Ruhe, Entspannung und Erholung in einem angenehmen Umfeld und in reizvoller Landschaft, kombiniert mit einem umfangreichen Freizeitangebot, der medizinischen Betreuung und Begleitung durch einen Kurbetreuer, der Information des Patienten in Form von Fachreferaten sowie dem durch das Gruppenerlebnis ermöglichten Erfahrungsaustausch, werden dem Patienten verschiedene Behandlungsprogramme zuteil: Dazu gehören aktive und passive Bewegungs- und Übungstherapie (mit Elementen der Gymnastik, Krankengymnastik, Wassergymnastik, Sporttherapie und des medizinischen Gerätetrainings), körperliche und psychische Entspannungsmethoden, Therapieverfahren der physikalischen Medizin (Massagen, Fango- und Elektrotherapie) und als Kernstück: die Rücken- bzw. Gelenkschule.

Was ist darunter konkret zu verstehen?

Es handelt sich dabei wiederum um einen Bereich mit vielgestaltigen Inhalten, der u.a. die Vermittlung der Krankheitsursachen umfasst, das Erlernen rücken- und gelenkschonender Bewegungsabläufe, die Einübung eines gymnastischen Heimprogramms, Sport- und Freizeitberatung und die Motivation zu bewegungsaktivem Verhalten. Denn Ziel kann ja nicht eine nur kurzfristig zu erzielende Besserung der Beschwerdesymptomatik sein. Mit unseren Kompaktkuren wollen wir Schmerzen der Haltungs- und Bewegungsorgane dauerhaft lindern, die Belastbarkeit und den Bewegungsradius für den Alltag nachhaltig erhöhen und zu mehr selbstverantwortlichem Umgang mit den Beschwerden motivieren. Das soll Körper und Psyche zu Gute kommen und langfristig einen gesunden Lebensstil fördern.

Herr Unterreiter, haben Sie vielen Dank für das Gespräch!

 

Ein Archivbeitrag* aus ORTHOpress 2 | 2001

*Archivbeiträge spiegeln den Stand zur Zeit der Erstveröffentlichung wieder. Die aktuelle Einschätzung des Sachverhalts kann durch Erfahrungszuwachs, allgemeinen Fortschritt und zwischenzeitlich gewonnene Erkenntnisse abweichen.