Radfahren – ohne Reue

VonLena Krieger

Radfahren – ohne Reue

Haben Sie das auch schon mal erlebt? Da will man etwas für seine Gesundheit tun und verabredet sich mit Freunden zu einer Fahrradtour. Aber anstatt die Landschaft, die Sonne und die frische Brise genießen zu können, spürt man schon nach einer halben Stunde jede Muskelfaser an Nacken und Rücken. Die Hände beginnen einzuschlafen und die Knie schmerzen bei jedem Tritt in die Pedalen: ein typischer Fall von verkehrtem Radtyp oder nicht optimalen Einstellungen. Bei einem Test an der Universität Regensburg stellte man fest, dass kaum ein Rad in Bezug auf Rahmengröße, Sattel- und Lenkradhöhe auf die individuellen Bedürfnisse der Fahrer abgestimmt war.

Worauf muss man nun achten, um stressfrei und Rücken schonend auf dem Rad fahren zu können? 

Grundvoraussetzung ist eine optimale Rahmenhöhe. Sie hängt von der Schrittlänge ab und kann so leicht bestimmt werden. Aber nicht nur die Größe, auch die Form des Rahmens spielt eine Rolle. Ein tiefer Einstieg erleichtert das Auf- und Absteigen und lässt schon gleich die erste Hürde einer Radtour schnell und bequem meistern. Ist der Drahtesel einmal erklommen, müssen Sattel und Lenker in optimaler Höhe eingestellt sein. Wenn bei nach unten fest gestellter Kurbel und gestrecktem Bein die Ferse das Pedal berührt, ist die Sattelhöhe richtig. 

Ein ergonomisch geformter Lenker, der verschiedene Griffpositionen erlaubt, ermöglicht einen Haltungswechsel beim Fahren. Die optimale Höhe – so hoch wie möglich, damit der Rücken möglichst gerade ist – ist für viele noch gewöhnungsbedürftig. Aber an der – alles andere als gesunden – Haltung der Tour de France-Profis sollte man sich kein Beispiel nehmen. Den Lenker sollte man – um Schulterverspannungen zu vermeiden – bei geradem Rücken mit gestreckten, aber nicht durchgedrückten Armen erreichen. Hände und Handgelenke danken es, wenn sie beim Fahren nicht abgeknickt werden. 

Aber nicht nur die Körperhaltung entscheidet, ob eine Radtour zur Tortour oder zu einem Genuss wird. Sollen nicht alle Unebenheiten und Schlaglöcher in den Radwegen ungedämpft im ganzen Körper spürbar sein, ist besonders für stressgeplagte Rücken eine entsprechende Federung, vor allem die des Hinterrades, wichtig. Inzwischen gibt es ganz ausgeklügelte Lösungen, die aber auch ihren Preis haben. Eine preiswertere Alternative ist da eine gute Sattelfederung. 

Gangschaltungen haben sich zum Teil zu echten Prestigeobjekten entwickelt. Freizeit- und Gesundheitsradler sollten auch nicht darauf verzichten, um Steigungen Knie-schonend bewältigen zu können. Es müssen aber nicht unbedingt 21 Gänge sein. Etwas weniger reicht auch aus. Nicht sparen sollten Sie am zeitlichen Einsatz. Je öfter Sie radeln, umso mehr wird es Ihnen Ihre Gesundheit danken. Mit einem individuell angepassten Rad können sich auch Menschen, denen wegen Gelenk- und Rückenproblemen das Laufen schwer fällt, sportlich betätigen, Herz- und Kreislauf trainieren, ohne dabei das eigene Körpergewicht tragen zu müssen. 

 

aus ORTHOpress 2 | 2002

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