HWS-Syndrom

Der Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule

Schmerzen, Muskelverspannungen und Missempfindungen im Nacken-,Schulter- und Armbereich sind Symptome, über die immer mehr Patienten klagen. Meistens stehen sie in direktem Zusammenhang mit berufsbedingten chronischen Haltungs- und Bewegungsstörungen, die parallel zum technischen Fortschritt mit immer mehr sitzenden Tätigkeiten in Zwangshaltungen (z.B. am Computer) ebenfalls rapide zunehmen. „Durch die chronische Fehlbelastung der Halswirbelsäule wird der Verschleiß verschiedener Strukturen der Halswirbelsäule , d.h. Bandscheiben, Wirbelgelenke, Wirbelkörper, Bänder und Muskeln beschleunigt, so dass das Risiko für einen Bandscheibenvorfall auch unter der jüngeren Bevölkerung kontinuierlich ansteigt“, wissen die Neurochirurgen Dr. Kamran Minaian und Dr. Ringo Möder von der Kölner Klinik am Ring.

Der akute Bandscheibenvorfall

Hierbei tritt der meist vorgeschädigte weiche Bandscheibenkern in den Wirbelkanal aus und bewirkt Druck auf die Nervenabzweigungen (Nervenwurzeln). Es entsteht eine Nervenkompression. „Diese Kompression kann starke strangförmig ausstrahlende Schmerzen in Schulter und Arm, teilweise sogar bis in die einzelnen Finger auslösen, welche sehr oft mit einem Taubheitsgefühl und anderen Missempfindungen wie Kribbeln verbunden sind. Auch Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in den Hinterkopf werden häufig beobachtet. In schweren Fällen kann ein Kraftverlust im Arm oder in der Hand auftreten“, erläutert Dr. Möder. Der akute Bandscheibenvorfall tritt meist spontan oder nach falschen ruckartigen Bewegungen auf.

Der chronische Verschleißprozess

Hierbei entwickeln sich die Beschwerden langsam und schleichend, meist über Jahre hinweg, und sind häufig unterschiedlich intensiv ausgeprägt in Abhängigkeit von der Jahreszeit oder momentanen körperlichen Belastungen. Dr. Minaian: „Der Krankheitsverlauf ist jedoch insgesamt fortschreitend, so dass der Verschleiß im Laufe der Zeit immer weiter zunimmt. Auch hier kommt es sehr oft zur Kompression von Nervenwurzeln, aber auch andere schmerzempfindliche Strukturen wie beispielweise die Wirbelgelenke sind dann meist beeinträchtigt.“ Diese Veränderungen sind meistens nicht, wie bei einem akuten Bandscheibenvorfall, auf ein einzelnes Wirbelsegment zurückzuführen, sondern betreffen nicht selten mehrere Segmente. In besonders fortgeschrittenen Fällen mit Einengung des Wirbelkanals und Druck auf das Rückenmark können Beeinträchtigungen im Bereich der Beine mit einem unsicheren Gang und Gleichgewichtsstörungen auftreten. „Der chronische Bandscheibenvorfall“, so Dr. Möder, „ist meist eine Kombination aus einem Bandscheibenvorfall und knöchernen Randzacken, die zusätzlich den Raum für diejenigen Nerven einengen, welche Schulter und Arm versorgen. Solche mehrfachen Verschleißerscheinungen machen den Großteil der Bandscheibenvorfälle im Bereich der Halswirbelsäule aus.“

Manchmal ist eine Operation unumgänglich

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Leider können solche Bandscheibenvorfälle nicht immer mit einer konservativen Therapie erfolgreich behandelt werden. „Wenn die Symptomatik sich durch die konservative Therapie über einen bestimmten Zeitraum nicht bessert, oder wenn Muskelschwächen oder gravierende Schmerzen den Hauptanteil der Symptomatik ausmachen, dann ist eine mikrochirurgische Operation zur Entlastung der Nerven und des Rückenmarks unausweichlich. Ansonsten gehen die Patienten das Risiko bleibender Schäden mit einer Behinderung ein“, sagt Dr. Möder. „Die Operationstechnik der Mikrochirurgie mit 3-dimensionaler Bildgebung durch das Operationsmikroskop ist dabei im Laufe der Jahre kontinuierlich verfeinert worden, so dass die Kombination aus dieser Technik in den Händen eines erfahrenen Operateurs und dem intraoperativen Monitoring zur Überwachung der Nerven das Komplikationsrisiko sehr weit herabsetzt.“

„Cage“ sorgt für Stabilisierung

Zur Stabilisierung des operierten Segmentes wird dabei ein Platzhalter (sogenannter „Cage“) zwischen den beiden Wirbeln implantiert. Dr. Minaian erklärt: „Früher hat man Knochenspan aus dem Beckenkamm entnommen und dazu verwendet. Dies führte dazu, dass sie solcherart behandelten Patienten noch lange Zeit nach der Entnahme erhebliche Schmerzen an der Entnahmestelle verspürten. Die Entwicklung verschiedener Platzhalter aus unterschiedlichen Materialien ist in den letzten fünf Jahren jedoch mit rasanter Geschwindigkeit vorangetrieben worden. Es gibt so z.B. Platzhalter aus Titan, die jedoch aufgrund ihrer Härte sehr oft in die Wirbelkörper einbrechen. Eine vielversprechende Alternative scheint jetzt mit einem von Endoplus entwickelten Cage aus einem speziellen Kunststoff („PEEK“) in Sicht. Seine physikalischen Eigenschaften scheinen denen der Bandscheibe am ähnlichsten.

Auch in seiner Form ist dieser eng an die natürliche Bandscheibe angelegt, so dass die Lastenübertragung im operierten Segment optimal verläuft. Besonders hervorzuheben ist auch, dass die Patienten sehr früh, d.h. schon am Tag der Operation mobilisierbar sind. „Gegenüber früheren Operationen müssen die Patienten so nur noch einen Klinikaufenthalt von etwa zwei bis drei Tagen in Kauf nehmen – eine angepasste Halskrause muß lediglich etwa eine Woche lang getragen werden“, fasst Dr. Möder die Vorteile des neuen Verfahrens zusammen.

 

aus ORTHOpress 04|2002

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