Fußknochenchirurgie

VonStefanie Zerres

Fußknochenchirurgie

Die operative Korrektur des Ballenzehs (Hallux valgus) war in den vergangenen Jahrzehnten einem großen Wandel unterworfen. Mehr noch als bei anderen orthopädischen Erkrankungen etablierten sich kurzzeitig jeweils verschiedene Operationsmethoden, welche aber die in sie gesetzten Hoffnungen meist nicht erfüllen konnten.

Inzwischen gehen die meisten Fußchirurgen davon aus, dass es die eine Methode zur Behandlung des Hallux nicht gibt. Meist kommt daher heute eine Kombination aus einem knöchernen sowie einem Weichteileingriff zum Einsatz. Während bei dem knöchernen Eingriff die verformte Zehe durchtrennt und begradigt wieder zusammengesetzt wird, dienen die Weichteileingriffe zum einen einer Entlastung der Gelenkkapsel, zum anderen der Korrektur der Sehnenlänge, um eine erneute Deformation der Zehe durch eine zu starke Zugbelastung zu vermeiden. 

Gelenkerhaltende Operation wird immer häufiger

Bei der früher üblichen Operationsmethode nach Keller-Brandes wurde das Grundglied der Großzehe reseziert und so eine starke Verkürzung in Kauf genommen. Heute operiert man jedoch wann immer möglich gelenkerhaltend. So stellt man nicht nur die natürliche Fußform wieder her, sondern auch die Abrollfunktion. Das war mit den alten Methoden so meist nicht möglich. Vielfach kommen auch spezielle Fixationsschrauben zum Einsatz. Diese können in den meisten Fällen problemlos im Fuß belassen werden und lösen sich sogar selbst auf. Ein Zweiteingriff zum Entfernen der operativen Hilfsmittel ist so nur noch selten notwendig.

Besserer Patientenkomfort durch Fortschritte bei der Anästhesie

Für einen wesentlich verbesserten Patientenkomfort sorgen darüber hinaus auch neue Entwicklungen bei der Anästhesie. So führt man heute vielfach standardmäßig einen sogenannten Fußblock durch. Dies ist eine gezielte Betäubung des Fußes, die etwa 24 Stunden lang anhält und eine komplette Schmerzfreiheit nach der OP zur Folge hat. Danach ist die Hauptschmerzphase meist vorbei. Die Patienten haben auch in der Folgezeit erheblich geringere Beschwerden als früher.

Unterschiede der modernen OP-Verfahren

Die heute angewendeten modernen Operationsverfahren unterscheiden sich hauptsächlich in der Schnittführung am Knochen voneinander. Allen gemeinsam ist, dass der an der Fußwurzel ansetzende Mittelfußnochen durchtrennt wird, um danach in einer statisch und funktionell richtigen Weise wieder zusammengesetzt zu werden. Leichte Fehlstellungen des ersten Mittelfußknochens werden dabei meist mit der Reverdin-Osteotomie korrigiert. Darunter versteht man eine L-förmigen Durchtrennung und Versetzung des Knochens zur Fußaußenseite, gegebenenfalls unter Verwendung eines Knochenkeils. Bei sehr geringen Fehlstellungen gelangt oft auch ein V-förmiger Schnitt, die Chevron-Osteotomie, zur Anwendung. Diese zeichnet sich durch eine besonders geringe Weichteilverletzung aus.

Z-förmige Knochendurchtrennung bei schweren Fehlstellungen

Bei mittleren und schweren Fehlstellungen kommt in der Regel eine langstreckige Z-förmige Knochendurchtrennung zum Einsatz. Diese sogenannte Scarf-Osteotomie ist ein vergleichsweise anspruchsvolles Verfahren, welches ein hohes Maß an Geschick und Routine seitens des Operateurs verlangt. Dafür sind die Ergebnisse oft sehr gut. Es handelt sich um eine relativ breit einsetzbare Methode handelt. Sie erlaubt zudem eine sofortige Belastung des operierten Fußes. Auch Knochenheilungsstörungen wie z. B. Pseudarthrosen beobachtet man bei der Scarf-Osteotomie eher selten. Bei schweren oder wiederkehrenden Fehlstellungen hat sich darüber hinaus die Lapidus-Arthrodese bewährt. So nennt man eine Versteifung des Gelenks zwischen erstem Mittelfußknochen und Fußwurzel. Diese wird anders als eine Versteifung des Großzehengrundgelenks kaum als einschränkend empfunden. Die aktive Beweglichkeit des Gelenks ist ohnehin eher gering. Dieses Verfahren erzielt auch bei wiederkehrenden Beschwerden oft eine Replantarisierung der Zehe bei guter Funktion.

So entsteht ein Hallux

Der schmerzhafte Großzehenballen ist die häufigste Erkrankung des Vorfußes. Zu den Hauptursachen gehören eine familiäre Disposition sowie anlagebedingt schwaches Bindegewebe. Daneben begünstigt auch falsches Schuhwerk eine Fehlstellung: Besonders Frauenschuhe sind oft spitz zugeschnitten. Haben sie dann auch noch einen hohen Absatz, pressen sie die Zehen auf Schritt und Tritt mit dem Körpergewicht „in Form“. Im Anfangsstadium treten zunächst nur bei Belastung oder beim Tragen von festen Schuhen die charakteristischen Schmerzen und eine Rötung an der Außenseite des Ballens auf. Später kommt es dann zu starken Schmerzen an den Mittelfußköpfchen. Diese klingen auch durch das Tragen von nachgiebigen und gepolsterten Schuhen nicht mehr ab. Neuere Untersuchungen zeigen, dass man in den Industrieländern bereits bei rund einem Drittel aller jungen Frauen eine beginnende Halluxneigung beobachtet. 

von Arne Wondracek aus ORTHOpress 4/17

Fragen und Antworten

Wie wird der Hallux operiert?

Die chirurgische Behandlung eines Hallux valgus besteht in der Regel aus einer Kombination von Behandlungen an den Fußknochen und Weichteilen. So wird die Deformation durch eine Umstellung (Osteotomie) der betroffenen Knochenanteile korrigiert.

Was ist der Hallux?

Der schmerzhafte Hallux valgus, auch als Großzehenballen bekannt, ist die häufigste Vorfußerkrankung. Kennzeichnend dafür ist die Fehlstellung bzw. Verformung der Großzehe.

Warum bekommt man einen Hallux?

Eine familiäre Disposition sowie anlagebedingt schwaches Bindegewebe zählen zu den Hauptursachen. Zudem kann falsches Schuhwerk eine Fehlstellung begünstigen, besonders wenn Schuhe zu eng sind und vorne spitz zulaufen.

Über den Autor