Die Gelenkinnenhaut

VonArne Wondracek

Die Gelenkinnenhaut

Wenn die Gelenke dick werden und schmerzen, denken die meisten Menschen an eine Erkrankung des Gelenks selbst: Bei einer schweren Arthrose reibt Knochen auf Knochen, bei Rheuma entzündet sich das Gelenk. Dabei sind die Schmerzen zumeist nicht knöchern bedingt: Ursache ist häufig eine Veränderung der Gelenkinnenhaut, der Synovialis. 

Die Gelenkinnenhaut erfüllt im gesunden Zustand eine wichtige Funktion: Sie ernährt das Gelenk, schützt gleichzeitig durch die Abgabe der Gelenkschmiere wirksam vor Verschleiß und sorgt für eine „reibungslose“ Bewegung. Die Synovialis kleidet alle Innenseiten der Gelenke, Schleimbeutel und Sehnenscheiden unseres Körpers aus. Sie ist dabei durch ein Netz von Gefäßen so stark durchblutet, dass ihre Oberfläche rot erscheint. Die Gelenkinnenhaut ist fettglänzend und hat an manchen Stellen fransige Ausbuchtungen oder auch einen deutlichen Faltenwurf. An den Knien oder Ellenbogen kann sie zusätzlich durch die Ausbildung von kissenartigen Fettpolstern verstärkt sein.

Schmerzursache Synovitis

Die Synovitis oder Synovialitis bezeichnet eine Entzündung der Gelenk-innenhaut. Sie ist besonders eine häufige Folge der Rheumatoiden Arthritis (umgangssprachlich „Gelenkrheuma“), einer Autoimmunerkrankung, bei der es durch unkontrollierte Antikörperbildung zu einer schleichenden Zerstörung der Gelenke kommt. Diese Zerstörung ist zu einem großen Teil durch eben die Entzündung der Gelenk-innenhaut bedingt. Diese schwillt an und produziert dabei große Mengen von Gelenkflüssigkeit, die jedoch gegenüber der gesunden Gelenkschmiere stark verändert ist und die wichtigen schmierenden und ernährenden Eigenschaften nicht mehr wahrnehmen kann. Typische Symptome einer Entzündung der Gelenkinnenhaut sind Ruheschmerzen, die bei Belastung zunehmen, Gelenküberwärmung und -schwellung sowie eine zunehmende Bewegungseinschränkung.

Entzündung durch andere Erkrankungen

Aber nicht nur rheumatische Erkrankungen oder eine aktivierte Arthrose können eine Entzündung der Gelenkinnenhaut hervorrufen. So können etwa Knochenmarkserkrankungen wie die Osteomylitis oder eitrige Weichteilentzündungen auf das Gelenk übergreifen und dort eine Synovialitis hervorrufen. Sogar Erreger aus einem räumlich entfernten Teil des Körpers können über die Blutbahn in das Gelenk gelangen und dort entzündliche Prozesse auslösen – diese Form der Infektion bezeichnet man als hämatogene Streuung. Besonders der Zusammenhang zwischen Parodontitis und Gelenkentzündungen wird bereits seit einigen Jahren diskutiert. Wie die Deutsche Rheuma-Liga berichtet, mehren sich die Hinweise darauf, dass der lokale Bindegewebs- und Knochenverlust in der Mundhöhle mit einem höheren Risiko für bestimmte systemische Erkrankungen einhergeht. Dabei sind es die gleichen entzündlichen Zellen, welche den Abbau von Knochen- und Knorpelgewebe sowohl im Gelenk als auch im Zahnhalteapparat verursachen: Patienten mit einer Rheumatoiden Arthritis erkranken bis zu achtmal häufiger an einer Parodontitis als Gesunde. Auch Verlauf und das Ausmaß der Paro-dontitis entsprechen im Wesentlichen der Rheumatoiden Arthritis. 

Röntgenreizbestrahlung, Radiosynoviorthese oder Synovektomie?

Ist eine Behandlung der entzündeten Gelenk-innenhaut mit herkömmlichen Mitteln nicht mehr möglich, so gibt es mehrere Möglichkeiten, die überschießende Produktion von Gelenkflüssigkeit und die unkontrollierte Wucherung einzudämmen: Durch die Entfernung bzw. „Austrocknung“ der Synovialis oder großer Teile davon lässt sich für lange Zeit eine starke Linderung der Beschwerden erzielen. Dabei kann dies – je nach Grunderkrankung und Schwere der Entzündung – entweder durch Röntgenstrahlen, eine Injektion radioaktiver Substanzen oder die chirurgische Abtragung der Gelenkinnenhaut erreicht werden. Häufig wird eine chirurgische Entfernung mit der Bestrahlung kombiniert, wodurch sich die Erfolgsrate des Eingriffs deutlich steigern lässt. Immer häufiger wird insbesondere bei Gelenk-rheuma zu einer frühzeitigen Therapie geraten, da sich auf diese Art und Weise Langzeitschäden vermeiden oder zumindest aufschieben lassen.

Schleichende Gelenkzerstörung

Oftmals sind Schmerzen im Gelenk die Folge einer Entzündung der
Synovialis, auch als Gelenkinnenhaut oder Gelenkschleimhaut bezeichnet. Diese befindet sich in der Gelenkkapsel, von der jedes Gelenk in unserem Körper umgeben ist. Sie ist verantwortlich für die Produktion der Gelenkschmiere und damit der knorpelernährenden Synovialflüssigkeit. Ist die Innenhaut entzündet, so schwillt sie an und produziert die wichtige Gelenkflüssigkeit nicht mehr in der gewohnten Qualität. Die Folge ist eine schlechtere Versorgung des Gelenkknorpels und eine langsame Zerstörung des Gelenks.

von Arne Wondracek aus ORTHOpress 1/17

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