Schwer erkennbar: die Kahnbeinfraktur an der Hand

VonUlrike Pickert

Schwer erkennbar: die Kahnbeinfraktur an der Hand

Egal ob beim Inlineskaten, Mountainbiking oder einfach nur aus Unachtsamkeit – ein Sturz auf die ausgestreckte Hand passiert schnell. Halten sich die Schmerzen anschließend in Grenzen, suchen vor allem junge Leute selten einen Arzt auf. Bei einem Sturz auf die Hand kann jedoch das sogenannte Kahnbein brechen, ein Handwurzelknochen, welcher aufgrund seiner Lage und Bogenform besonders anfällig für Frakturen ist. 

Ein Bruch des Kahnbeins (Skaphoidfraktur) verursacht oft nur geringe Schmerzen und ist, selbst wenn ein Arztbesuch erfolgt, im Röntgenbild nur schwer erkennbar – fatal, da er unerkannt zu einer Pseudarthrose (Falschgelenk) mit deutlichen funktionellen Einschränkungen der Hand führen kann. Besteht der Verdacht, dass das Kahnbein verletzt wurde, ist deshalb in der Regel zusätzlich eine Computertomografie sinnvoll. Anhand dieses bildgebenden Verfahrens kann der Arzt auch besonders gut erkennen, ob es sich um einen einfachen glatten Bruch handelt oder ob die Knochenfragmente gegeneinander verschoben oder sogar gesplittert sind.

Wie wird ein Kahnbeinbruch behandelt?

Bereits bei Verdacht auf eine Kahnbeinfraktur sollte die Hand bzw. das Handgelenk bis zur endgültigen Diagnose vorsichtshalber geschient werden. Steht fest, dass das Kahnbein gebrochen ist, richtet sich die weitere Therapie nach der Art und der Lokalisation des Bruches. 

Kahnbeinbrüche heilen tendenziell eher schlecht, vor allem wenn der Knochen im körpernahen Teil gebrochen ist. Der Grund hierfür ist, dass das Kahnbein größtenteils mit Gelenkknorpel und nur teilweise, an den körperfernen Abschnitten, mit Knochenhaut (Periost) überzogen ist – eine Gewebeschicht, die für die Regeneration und Versorgung des Knochens mit Nährstoffen zuständig ist. Nur an diesen körperfernen Abschnitten treten Blutgefäße in das Kahnbein ein. 

Liegt ein einfacher glatter Bruch in den körperfernen Teilen des Kahnbeins vor, kann zunächst eine konservative Therapie versucht werden, d. h. dass die Hand bzw. das Gelenk für längere Zeit ruhig gestellt werden. Der Gips- oder heute meist ein Kunststoffverband muss dabei – je nach Beschaffenheit der Fraktur – für mindestens vier bis acht Wochen getragen werden. Die Leitlinien empfehlen eine regelmäßige Bildkontrolle der Knochenheilung. Ist der Bruch nach zwölf Wochen nicht ausgeheilt, ziehen die Ärzte in der Regel eine Operation in Betracht, bei der die beiden Knochenenden miteinander verschraubt werden. Ist der Bruch gut verheilt, wird der Gips entfernt und die Patienten erhalten in der Regel Physiotherapie, um die volle Beweglichkeit der Hand wiederherzustellen.

Operative Verfahren

Konservativ nicht ausgeheilte, verschobene oder gesplitterte Brüche und Brüche im körpernahen Teil des Kahnbeins werden operativ versorgt. Die Mehrzahl der Eingriffe kann minimalinvasiv durchgeführt werden. Die Ärzte setzen dabei die Bruchstücke in der Regel mit einer Schraube wieder zusammen. In einigen Fällen, z. B. wenn es sich um eine veraltete und nicht ausgeheilte Kahnbeinfraktur mit großem Knochenspalt handelt, müssen die Ärzte ein Stück Knochen aus der Hüfte oder der Speiche entnehmen, um die Lücke zu füllen. Gegebenenfalls kann bei einer solchen Indikation auch auf künstliches Knochenersatzmaterial zurückgegriffen werden. Im Anschluss an die OP bekommt der Patient für ein bis zwei Wochen einen Gips bzw. eine Schiene und muss das Handgelenk für ca. sechs Wochen schonen. Vollständig eingewachsene Schrauben werden dauerhaft in der Hand belassen, lediglich störende Implantate werden – wenn nötig – entfernt. Auch nach einer Operation helfen Physio- oder Ergotherapie dabei, die volle Beweglichkeit und Belastbarkeit der Hand und des Gelenks wiederzuerlangen. 

 Pseudarthrose

Unter einer Pseudarthrose versteht man eine Art falsches Gelenk: Wachsen die Knochen nach einer Fraktur nicht ausreichend zusammen, bleiben eine oder mehrere krankhaft bewegliche Stellen bestehen. Gründe sind z. B. mangelnde Durchblutung bzw. Versorgung des Knochens mit Nährstoffen oder zu frühe Mobilisation. Eine Pseudarthrose führt unbehandelt zu dauerhaften Funktionseinschränkungen und Schmerzen.

von Ulrike Pickert

aus ORTHOpress 1/17

 

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Ulrike Pickert administrator