Die Kraft der sanften Hände

VonKlaus Bingler

Die Kraft der sanften Hände

Manuelle Therapie und Osteopathie gehören zu den alternativen Behandlungsmethoden, die sich in den letzten Jahren eines immer größeren Zuspruchs erfreuen. Während die Manuelle Therapie besondere Grifftechniken nutzt, um vor allem Funktionsstörungen des Bewegungssystems zu behandeln, versteht sich die Osteopathie als eigenes therapeutisches Konzept und bezieht auch organische Störungen mit ein.

Die Manuelle Therapie ist eine spezielle Form der Physiotherapie. Der Therapeut wendet zunächst bestimmte Handgriffe an, um die Beschwerden zu lokalisieren und zu analysieren. Die manuellen Behandlungstechniken dienen sowohl der Schmerzlinderung, als auch der Mobilisation. Je nach Befund werden verschiedene Mobilisationstechniken eingesetzt. Dazu gehören:

• Traktion: Der Therapeut entfernt durch sanften Zug beide Gelenkflächen voneinander. Auf diese Weise werden der Druck verringert, der Schmerz gelindert und die Gelenkkapsel einschließlich der umliegenden Bänder entlastet.

• Gleittechnik: Beide Gelenkflächen werden parallel zueinander bewegt. Dies führt dazu, dass sich das Gelenkspiel verbessert und die Bewegung wieder leichter fällt.

• Entspannungs-, Dehn- und Gleittechnik: Mithilfe einer Auswahl spezieller Techniken wird der Zustand der Muskulatur und der Nervenbahnen verbessert. 

Die Kosten für die Manuelle Therapie werden von den gesetzlichen Krankenkassen und auch den meisten Privatkassen übernommen.

Osteopathie zielt auf die Wiederherstellung des Gleichgewichts

Die Osteopathie ist ein ganzheitliches Behandlungskonzept, das auf den US-amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still zurückgeht. Sein Leitgedanke war es, die Harmonie des Gesamtorganismus und seine Selbstheilungskräfte wiederherzustellen. Der Osteopath versucht, das Abwehrsystem des Körpers durch verschiedene Techniken, die vor allem die Durchblutung verbessern sollen, zu stärken. Einen wichtigen Stellenwert nimmt die Wiedererlangung der Beweglichkeit ein, die durch Krankheit häufig eingeschränkt ist. Dies betrifft nicht nur Gelenke und Muskeln, sondern auch Nerven, Eingeweide, Sehnen und Bänder. So nimmt man z. B. an, dass Störungen des Magens die Beweglichkeit des Zwerchfells und der Wirbelsäule beeinflussen.

Inzwischen haben sich in der Osteopathie folgende Teilgebiete ausdifferenziert:

• Parietale Osteopathie: Die Gelenke werden in Bezug auf ihre Funktion und Beweglichkeit in Abhängigkeit zu anderen Körpersystemen untersucht und behandelt.

• Viszerale Osteopathie: Ihr Ziel ist es, die Organbeweglichkeit zu normalisieren und negative neurovegetative Erregungsmuster zu unterbrechen.

• Kraniosakrale Osteopathie: Ihr geht es u. a. darum, die Mobilität der Schädelknochen wiederherzustellen und die Liquorzirkulation zu verbessern. Außerdem werden die Meningealmembranen entspannt.

Die Osteopathie bemüht sich darum, auf manuellem Weg Beziehungen zwischen unterschiedlichen Strukturen zu erkennen, um diese bei Bedarf zu normalisieren. Ziel ist es, ursächliche Krankheitsfaktoren abzuschwächen oder aufzulösen und die freie Beweglichkeit der Gelenke und Faszien wiederherzustellen. Außerdem sollen das autonome Nervensystem ausgeglichen und die Körperstatik harmonisiert werden. Zugleich soll so psychoemotionale Erleichterung und Entspannung erreicht werden.

Während die meisten privaten Krankenversicherungen in Deutschland die Kosten für osteopathische Leistungen bereits seit Längerem erstatten, übernimmt die Mehrheit der gesetzlichen Krankenkassen erst seit dem 1. Januar 2012 anteilig die Kosten der Behandlung.

von Klaus Bingler

aus ORTHOpress 3/15

 

 

 

Fragen und Antworten

Was macht man bei einer Manuellen Therapie?

Unter der Manuellen Therapie versteht man eine physiotherapeutische Therapiemethode, die auf die Untersuchung und Behandlung von Funktionsstörungen des Bewegungsapparates abzielt. Dazu werden spezielle Handgriff- und Mobilisationstechniken verwendet, mit deren Hilfe Schmerzen gelindert und Bewegungsstörungen beseitigt werden.

Was ist eine manuelle Therapie für den Rücken?

Bei der manuellen Medizin geht es darum, die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu verbessern und Rückenschmerzen sowie Muskelverspannungen zu lindern.

Wie lange dauert eine manuelle Therapie?

In der Regel dauert eine Sitzung 15-25 Minuten.

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