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Die Achillessehne – bei Schmerzen nicht zu lange warten!

VonAW

Die Achillessehne – bei Schmerzen nicht zu lange warten!

Die Achillessehne ist die kräftigste Sehne unseres Körpers. Mit einem Durchmesser von gut einem Zentimeter ist sie sogar noch etwas dicker als die Bizepssehne. Dennoch gehört sie zu den „beschwerdeanfälligen“ Sehnen: Rund 20.000 Mal in Deutschland erleiden Betroffene einen Abriss, sehr viel häufiger noch einen Teilriss. Für die meisten Betroffenen kommt es plötzlich und aus heiterem Himmel, berichtet Dr. André Morawe, Chefarzt der Fuß- und Sprunggelenkschirurgie der ATOS Orthoparc Klinik in Köln-Junkersdorf. Er betont, dass man schon vorher bestehende Warnzeichen auf jeden Fall ernst nehmen sollte.

Herr Dr. Morawe, wie machen sich akute Probleme an der Achillessehne bemerkbar?

Dr. Morawe: Oft kommt es zu einem Anschwellen der Sehne. Sie wird fühlbar dicker und schmerzt beim Laufen oder auch bei Berührung. Dies kann ein Hinweis sein auf eine klassische Tendinitis, also eine Sehnenentzündung. Die Ursache ist häufig in einer akuten sportlichen Überlastung zu finden, also zum Beispiel durch zu langes Joggen, intensives Badmintonspiel, mangelndes Aufwärmen oder auch ein falsches Bewegungsmuster bedingt. Meist bestehen hier jedoch keine strukturellen pathologischen Veränderungen der Sehne. Das bedeutet, dass mit Schonen, gegebenenfalls Ruhigstellung durch einen halbstarren Zinkleimverband, Sportverzicht und vorsichtige Physiotherapie innerhalb weniger Wochen eine Ausheilung erreicht werden kann.

Sie berichten darüber hinaus von sehr guten Erfahrungen mit sogenanntem Autologem Conditionierten Plasma (ACP). Wie funktioniert diese Therapie?

Dr. Morawe: Zur Gewinnung von ACP werden Wachstumsfaktoren aus dem Eigenblut des Patienten in einer Zentrifuge aufkonzentriert und um die Sehne herum injiziert. Meist reicht eine Serie von drei Injektionen aus, um die Heilung deutlich zu beschleunigen. Besonders dann, wenn die herkömmlichen Behandlungsmethoden keinen schnellen Erfolg zeigen, kann mit der ACP-Therapie eine Verbesserung der Situation erreicht werden. Es ist dabei eine sehr gute Alternative zum heute bei Sehnenentzündungen meist nicht mehr verwendeten Cortison, welches die Ernährungssituation des Sehnengewebes verschlechtert. Unter Umständen kann es schon durch eine einzige Injektion geschädigt werden. Dadurch steigt das Risiko einer Ruptur stark an, nicht zuletzt auch, weil die Ausschaltung des warnenden Schmerzreizes durch das Cortison fälschlicherweise eine Heilung suggeriert und so eine erneute Überlastung unbemerkt bleibt.
Schwieriger sieht die Behandlung aus, wenn es zu einer strukturellen Veränderung der Sehne gekommen ist, also einer Degeneration. Wie erkennen Sie, ob dies der Fall ist?
Dr. Morawe: Die moderne bildgebende Diagnostik zeigt heute sehr gut solche strukturellen Veränderungen. Schon im Ultraschall können wir viele Risse, Einrisse oder Einblutungen erkennen. Goldstandard ist die Magnetresonanztomographie, mit der sich feingewebliche Veränderungen wie Zysten oder kleinste Nekrosen – also abgestorbenes Sehnengewebe – darstellen lassen. Das MRT hat darüber hinaus einen hohen prognostischen Wert bezüglich des Erfolgs einer angestrebten Therapie.

Wie unterscheidet sich die Therapie von der einer Tendinitis?

Dr. Morawe: Leider ist die Regenerationsfähigkeit des Sehnengewebes nur sehr begrenzt. Abgestorbenes Gewebe kann also nicht „wiederbelebt“ werden. Eine Tendinose, also eine Achillessehnenerkrankung als Folge einer meist langjährigen Entzündung oder fortschreitender Degeneration, lässt sich mit konservativen Mitteln nicht zufriedenstellend behandeln. Dies liegt auch daran, dass der per Diffusion erfolgende Transport der ernährenden Substanzen ins Innere der krankhaft verdickten Sehne kaum noch funktioniert. In der Regel werden wir in einem solchen Fall das kranke oder abgestorbene Gewebe in einer kontrollierten und geplanten Operation entfernen und die Sehne verschlanken und entsprechend übernähen, sodass sie abheilen kann. Dies ist auch deshalb wichtig, damit es nicht als Folge der Degeneration zu einer Spontanruptur kommt, die deutlich schlechter zu behandeln wäre. Es gibt übrigens auch Medikamente, welche die Sehnenqualität – sogar bei nur kurzer Einnahme – so erheblich herabsetzen können, dass es zu einer Ruptur kommt. Dazu zählen bestimmte Antibiotika, wie sie etwa bei schweren Harnwegsinfekten verordnet werden, aber auch Statine, also Cholesterinsenker. Welche Möglichkeiten gibt es, wenn es zu einer plötzlichen Ruptur kommt, und wer ist am häufigsten davon betroffen? Dr. Morawe: Am häufigsten betroffen sind Männer zwischen etwa 35 und 50 Jahren. In diesem Alter ist das Aktivitätsniveau noch sehr hoch, die Sehne verzeiht jedoch nicht mehr alles. Bei einer plötzlichen Überlastung kommt es im mittleren Drittel zwischen Achillessehnenansatz am Fersenbein und Muskel zu einem Riss. Damit es nicht zu einer großen, die Operation erschwerenden Lücke zwischen den Sehnenenden kommt, sollte ein Eingriff in den ersten 72 Stunden angestrebt werden.

Kann man auch noch etwas tun, wenn der Riss schon länger her ist?

Dr. Morawe: Wir sehen natürlich auch Patienten, bei denen der Achillessehnenriss schon lange her ist und die sich – teilweise über Jahre hinweg – mit dem Kraftverlust arrangiert haben, jetzt jedoch gern wieder Sport treiben oder ganz einfach mobiler sein möchten. Auch hier stehen uns mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Finden die Sehnenenden nicht mehr zueinander, so können wir die Sehne aufspalten und eine sogenannte Sehnenumkehrplastik vornehmen. Manchmal ist jedoch der Muskel dann bereits so zurückgebildet, dass die Kraft trotz Wiederherstellung der Sehne nicht ausreicht. Wir nehmen dann zusätzlich einen Muskeltransfer vor und unterstützen den atrophierten Wadenmuskel durch den Flexor hallucis longus, den Großzehenmuskel. Die verbliebene Großzehenmuskulatur kann diese Wegnahme gut kompensieren, und die Kraft im Bein wird weitgehend wiederhergestellt. Wir freuen uns, mit dieser Operation vielen Betroffenen Lebensqualität und sogar Sportfähigkeit zurückgeben zu können!

Herr Dr. Morawe, haben Sie herzlichen Dank für das Gespräch!

 


Dr. med. André Morawe, Chefarzt der Fuß- und Sprunggelenkchirurgie

 

 

ATOS Orthoparc Klinik GmbH
Aachener Straße 1021B
50858 Köln
Tel.: 0221 / 48 49 05 – 0

www.atos-kliniken.com

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