Inhaltsverzeichnis
- Herr Professor Hendrich – Sie operieren jedes Jahr eigenhändig über 400 Hüften und 400 Kniegelenke. Was machen Sie lieber?
- Hüft- und Kniegelenke sind scheinbar heute Standardeingriffe. Was raten Sie ihren Patienten?
- Und zweitens?
- Künstliche Hüften gibt es seit den späten Fünfzigerjahren. Hat sich in den letzten fünf Jahren überhaupt noch etwas geändert?
- Sprechen wir über die Vorbereitung. Was ist bei Ihnen heute anders?
- Und bei der Operation? Die minimal-invasive Operationstechnik haben Sie selber maßgeblich mitentwickelt. Und heute noch weiter standardisiert und verfeinert.
- Stichwort Transfusion. Wie schaffen Sie es, dass beim Patienten während der Operation nur 30-50ml Blut verloren gehen?
- Ihre Patienten dürfen oder müssen nach 2 Stunden bereits aufstehen und laufen?
- In der Schmerztherapie – gibt es da etwas Neues?
- Sie haben vor kurzen die 10.000ste Roboter-Operation gefeiert. Dabei waren deutlich weniger Hüften als Kniegelenke – ändert sich das gerade?
Individuelle Operationsplanung, minimal-invasive Technik mit höchster Präzision, nahezu blutungsfreie Operation und eine schnelle, aber patientenorientierte Mobilisation sind das Ziel. Professor Dr. Christian Hendrich, Ärztlicher Direktor im Orthopädischen Krankenhaus Schloss Werneck erklärt, warum das künstliche Hüftgelenk dennoch immer ein großer Eingriff bleibt.
Herr Professor Hendrich – Sie operieren jedes Jahr eigenhändig über 400 Hüften und 400 Kniegelenke. Was machen Sie lieber?
Prof. Hendrich: Beides, ich liebe es wirklich. Was man vielleicht nicht vermutet: Das Knie ist körperlich anstrengender als die Hüfte. Bei der Hüfte ist der Nervenkitzel etwas größer, bis man das Röntgenbild gesehen hat.
Hüft- und Kniegelenke sind scheinbar heute Standardeingriffe. Was raten Sie ihren Patienten?
Im Wesentlichen zwei Dinge. Erstens, sowohl Hüft- als auch Knie-Operationen finden tief im Körper statt, damit sind beide Operationen auch heute noch große Eingriffe mit erheblichen Komplikationsmöglichkeiten. Infektion, Thrombose mit Embolie oder das Ausrenken liegen heute eher im Promille- als im Prozentbereich, aber sie können immer auftreten. Die Beschwerden des Patienten müssen es rechtfertigen, diese Risiken einzugehen.
Und zweitens?
Das ergibt sich aus den Risiken. Die Entscheidung zur Operation muss der Patient fällen – keinesfalls der Arzt. Sehr häufig schicke ich wild entschlossene Patienten erst einmal wieder nach Hause, um ihnen ausreichend Bedenkzeit zu geben.
Künstliche Hüften gibt es seit den späten Fünfzigerjahren. Hat sich in den letzten fünf Jahren überhaupt noch etwas geändert?
Das ist durchaus überraschend – ja – sogar eine ganze Menge. Das reicht von der Vorbereitung über viele operationstechnische Details bis hin zur Nachsorge. Wir sind tatsächlich bereits auf sehr hohem Niveau noch einmal besser geworden.
Sprechen wir über die Vorbereitung. Was ist bei Ihnen heute anders?
Unsere Horrorvision ist die Infektion. Alle Patienten erhalten heute die Empfehlung für ein spezielles Waschset, das sie vor der Operation anwenden sollen, um den Bakterienbesatz in den Problembereichen Haare, Achseln und Nasen-/Rachenraum zu vermindern. Unsere spezielle Vorbereitung ist die digitale Planung der Operation am Röntgenbild. Diese ergänzen wir häufig durch eine spezielle Messung mit unserem Röntgenroboter, um eine möglichst exakte Planung der Beinlänge vorzunehmen. Bei allen Extremfällen empfehle ich die OP mit dem Roboter, die MAKOplasty®. Diese ist im Moment die präziseste Operationsmethode.
Und bei der Operation? Die minimal-invasive Operationstechnik haben Sie selber maßgeblich mitentwickelt. Und heute noch weiter standardisiert und verfeinert.
Das ist eine Fülle von kleinen Details und Handgriffen oder das Prinzip, Unnötiges wegzulassen. Jedenfalls werden alle Patienten ohne Muskelablösung operiert, und es blutet deutlich weniger als früher.
Stichwort Transfusion. Wie schaffen Sie es, dass beim Patienten während der Operation nur 30-50ml Blut verloren gehen?
Mit Erfahrung weiß man, wo auch die kleinen Blutgefäße entlanglaufen, die man dann gezielt veröden kann. Dazu hilft uns ein spezielles Medikament, die Tranexam-Säure, die die diffuse Blutung der Wundfläche hemmt. Bei Patienten mit Gerinnungsstörung setze ich ein spezielles Elektroskalpell ein, das den Schnitt sofort verödet.
Ihre Patienten dürfen oder müssen nach 2 Stunden bereits aufstehen und laufen?
Ja, das schaffen mehr als 95% unserer Patienten, und es ist immer ein großes Erfolgserlebnis.
In der Schmerztherapie – gibt es da etwas Neues?
Das lieben wir an den Hüften besonders. Fast alle unserer Patienten sind nach der OP so gut wie schmerzfrei. Wenn man genauer nachfragt, spüren sie einen Schmerz in der Muskulatur oder unter dem Verband, aber keinen eigentlichen tiefen Schmerz. Einige Ihrer Patienten beklagen sich, dass sie bereits am nächsten Tag auf die Treppe müssen und am zweiten Tage nach Hause oder in die Reha. Gleichzeitig habe ich aber auch Patienten, die schon am ersten Tag nach Hause möchten. Wir versuchen das zu individualisieren. Wenn jemand einen Tag oder zwei länger braucht – so ein Schloss hat viele Zimmer, also kann er auch dableiben …
Sie haben vor kurzen die 10.000ste Roboter-Operation gefeiert. Dabei waren deutlich weniger Hüften als Kniegelenke – ändert sich das gerade?
Mit der MAKOplasty® hat man derzeit die beste Möglichkeit, die Stellung der Hüfte und die Beinlänge zu kontrollieren. Im nächsten Jahr werde ich deutlich mehr Patienten mit dem MAKO-System operieren.
Orthopädisches Krankenhaus Schloss Werneck
Prof. Dr. med. C. Hendrich,
Ärztlicher Direktor
Spezialklinik für Endoprothetik, Orthopädie und Unfallchirurgie
Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung
Tel.: 09722 / 21 - 50 00
ortho-wirbelsaeule@kh-schloss-werneck.de
www.orthopaedie-werneck.de