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Während noch vor wenigen Jahrzehnten jede zweite Hüftprothese einzementiert wurde, finden die meisten Operationen inzwischen überwiegend zementfrei mithilfe des sogenannten Press-Fit-Verfahrens statt. Auf diese Weise ist es möglich, auch ohne Zement eine ausreichende Stabilität herzustellen. Darüber hinaus wird dem Operateur im Falle einer späteren Wechseloperation die weitreichende Entfernung ausgehärteten Knochenzements erspart, da sich so wertvolle Knochenmasse sparen lässt, welche dringend benötigt wird, um eine Folgeprothese sicher verankern zu können. Ein weiterer wichtiger Faktor, der für den Erfolg einer Wechseloperation ausschlaggebend ist, ist die Wahl des Implantats. Vor allem jüngere Patienten, denen möglicherweise noch ein oder mehrere Prothesenwechsel bevorstehen, profitieren von den sogenannten Kurzschaftprothesen, welche seit einigen Jahren auf dem Markt verfügbar sind. Kurzschäfte bieten gegenüber herkömmlichen Langschaftprothesen den Vorteil, dass sie besonders muskel- und knochenschonend eingesetzt werden.
Aseptische Lockerungen
Der Grund für einen Prothesenwechsel ist in den meisten Fällen eine sogenannte aseptische Lockerung, welche durch eine nicht infektiöse Entzündung verursacht wird. Auslöser sind Metall- oder Kunststoffpartikel, die bei jeder Bewegung zu einem Abrieb führen. Dadurch kommt es zu einer Gewebereaktion, die zu einem Rückgang der Knochenmasse führt, welche die Prothese umgibt. Ein wichtiger Faktor für den Abrieb ist die sogenannte Gleitpaarung, also die Kombination der Materialien, die bei der Bewegung der Prothese aufeinandertreffen. Negativ wirkt sich der Umstand aus, dass sich günstige mechanische Eigenschaften in der Regel nur mit einem höheren Abrieb erkaufen lassen. Dagegen bringen Gleitpaarungen mit einem geringeren Abrieb häufig die unerwünschte Nebenwirkung mit sich, mit mangelnder Elastizität und einer höheren Bruchneigung einherzugehen.
Protheseninfektionen
Ein weiterer Grund für den Austausch einer Prothese sind bakterielle Infektionen, die zu einer Entzündung im Knochen rund um das Implantat und zu einer Keimbesiedlung der Endoprothese führen. Nicht immer besteht in solchen Fällen die Möglichkeit, unmittelbar nach der Entfernung der alten Prothese eine neue einzusetzen. Daher findet in den meisten Fällen ein zweizeitiger Wechsel statt, bei dem zunächst ein antibakterieller Platzhalter aus Knochenzement eingesetzt wird, der die Infektion zur Ausheilung bringt. Erst nachdem weitere sechs bis acht Wochen vergangen sind, kann der Einbau einer neuen Prothese vorgenommen werden. Falls beim ersten Eingriff ein zementiertes Implantat eingesetzt wurde, kann es erforderlich werden, den Oberschenkelschaft weiträumig zu öffnen, um den Knochenzement vollständig entfernen zu können. In diesem Fall wird meist keine herkömmliche, sondern eine spezielle Wechselprothese eingesetzt. Handelt es sich um größere Knochendefekte, müssen diese zunächst mit Knochenersatzmaterialien oder Fremdknochen aufgefüllt werden. Beim Ersatz der Hüftpfanne ist es oft üblich, aus Gründen der Stabilität geschraubte oder zementierte Pfannen einzusetzen. Heutzutage stehen dem Operateur für fast jede mögliche Situation geeignete modulare Revisionssysteme zur Verfügung. Daher ist dieser auch für den Fall gerüstet, dass das Ausmaß der zu versorgenden Schäden erst während des Eingriffs sichtbar wird. Was die Standzeit betrifft, reichen jedoch auch die besten Revisionsendoprothesen nicht an die Standardimplantate heran. Daher ist es umso wichtiger, dass das Erstimplantat möglichst knochensparend eingebaut wird.
Früh- und Spätrevisionen
Abhängig vom Zeitpunkt des Prothesenwechsels unterscheidet man zwischen Früh- und Spätrevisionen. Erfolgt der Wechsel in den ersten beiden Jahren nach dem Einsetzen des Implantats, spricht man von einer Frührevision. Anlass ist meist eine Infektion, welche eine Entfernung des Gelenks, eine anschließende Defektsanierung und nach abgeschlossener Ausheilung den Einsatz einer neuen Prothese erforderlich macht. Gründe für eine Spätrevision sind in der Regel biomechanische Faktoren. Dabei kann ein Implantatversagen oder eine Prothesenlockerung ausschlaggebend sein.
von Gunnar van Suirland
Die Revisionsendoprothetik und ihre Aufgaben
Der Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks gehört heutzutage zu den häufigsten Standardeingriffen. Doch trotz großer Fortschritte auf dem Gebiet der Medizintechnik halten auch die modernsten Endoprothesen nicht unbegrenzt. Eine Rolle spielt dabei auch der Umstand, dass das Alter der Empfänger immer mehr sinkt.
Diese Gründe können für eine Revisionsoperation ausschlaggebend sein:
- Langfristige Abnutzung
von Implantatmaterialien - Aseptische Lockerungen
- Infektionen der Prothese
- Ermüdung und Bruch von Bauteilen
- Frakturen im Bereich der Prothese