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Sportmedizin

Die Muskulatur und ihre Verletzungen

muskelverletzungen

Vor allem sportlich aktive Menschen laufen Gefahr, sich eine Muskelverletzung zuzuziehen. Häufig geschieht dies dann, wenn sich die Betroffenen vor dem Training nicht ausreichend aufwärmen und die Muskeln daher nicht genügend durchblutet werden. Diesen mangelt es dann an Elastizität, um einer Dehnung standzuhalten. Die möglichen Folgen reichen von winzigen Mikrotraumen bis hin zu Muskelzerrungen oder vollständigen Muskelrissen.

Die mehr als 300 Muskeln unseres Körpers bestehen aus vielen einzelnen Fasern, zwischen denen sich Blutgefäße befinden. Stabilisiert und miteinander verbunden werden die Faserbündel über kollagenes Bindegewebe, die sogenannten Faszien. Starke Sehnen sorgen für die Befestigung der Muskelstränge an den Knochenenden.

Fehl- und Überbelastungen

Ursache für Muskelverletzungen sind neben Prellungen, bei denen eine Krafteinwirkung von außen der Auslöser ist, insbesondere Fehl- und Überbelastungen. Den betroffenen Muskeln sollte anschließend ausreichend Zeit zur Regeneration gegeben werden, da sich ansonsten das Risiko für weitere Verletzungen und Folgeschäden erhöht. In den meisten Fällen lassen sich Muskelverletzungen konservativ gut behandeln, nur bei größer flächigen Schäden kann ein operativer Eingriff erforderlich werden.

Je nach Schweregrad unterscheidet man folgende Verletzungsformen:

  • Muskelkater. Verursacht wird ein Muskelkater durch zahlreiche kleine Mikrotraumen. Manche betrachten die Beschwerden weniger als ein gesundheitliches Problem, sondern als einen Beweis ihres sportlichen Einsatzes. In der Tat bedarf es meist keiner speziellen Therapie, da die Symptome nach wenigen Tagen von selbst wieder verschwinden. Hilfreich sein können jedoch entspannende Wärmeanwendungen.
  • Muskelzerrungen. Anders als ein Muskelkater, den man meist nicht sofort wahrnimmt, führt eine Muskelzerrung in der Regel unmittelbar zu Schmerzen. Die Ursache ist eine starke Überdehnung des Muskels, die seine normale Funktion beträchtlich einschränkt. Wichtig ist es, im Anschluss eine Trainingspause einzulegen. Klingen die Beschwerden ab, empfiehlt sich ein Wiedereinstieg mit dosierten Dehnübungen.
  • Muskelfaserrisse und Muskelrisse. Hierbei wird die Dehnungsgrenze, anders als bei Muskelzerrungen, eindeutig überschritten. Infolge einer plötzlichen Anspannung oder einer abrupten Bewegung können einzelne Fasern oder ganze Muskelpartien reißen. Aus diesem Grunde sollten sich vor allem Sprinter und Sportler, die häufige Sprünge durchführen, vor dem Sport ausreichend aufwärmen. Jeder Riss in der Muskulatur ist sofort mit Schmerzen und – je nach Ausmaß der Verletzung – starken Bewegungseinschränkungen verbunden. Meist sind die Verletzungen äußerlich durch Eindellungen und Hämatome sichtbar. Zudem können Entzündungen an der betroffenen Stelle entstehen.

Handelt es sich um eine stärkere Muskelverletzung, kann es hilfreich sein, neben der Palpation bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT anzuwenden. Sollte sich dabei ergeben, dass der Muskel so stark gerissen ist und die Rissenden so weit auseinanderliegen, dass eine Bandagenbehandlung nicht mehr weiterhilft, kann als Ausweg eine Operation infrage kommen, um den Riss zu vernähen. Darüber hinaus können entzündungshemmende Medikamente oder Salben verabreicht werden. Ohne Behandlung droht die Gefahr, dass es zu Vernarbungen, Knorpelspornbildungen und am Ende gar zu einem völligen Funktionsverlust kommt. Im Falle einer unbehandelten Rotatorenmanschettenruptur im Schulterbereich besteht das Risiko einer Schultergelenkarthrose.

Eine Frage der genauen Abwägung

Im Anschluss an eine Muskelverletzung kommt es darauf an, den richtigen Zeitpunkt zu finden, wann man wieder in den Sport einsteigt. Wer zu früh damit beginnt, riskiert, dass die möglicherweise noch nicht vollständig ausgeheilte Verletzung eine Schwachstelle bleibt, die schnell erneut geschädigt werden kann. Räumt man sich eine zu lange „Schonzeit“ ein, besteht die Gefahr, dass die Muskeln aufgrund des fehlenden Bewegungsreizes schwächer werden. Allerdings handelt es sich dabei um das kleinere Übel, denn auf diese Weise hat man die Gewähr, nach völliger Genesung mit einer gesunden Muskulatur trainieren zu können. Auf jeden Fall ist es sinnvoll, sich immer an die Ruheempfehlungen des Arztes zu halten. Dabei können unter Umständen auch sportspezifische Gesichtspunkte eine Rolle spielen. So unterscheidet man bei Kontaktsportlern wie Fußballern, ob sie lediglich wieder trainieren („return to training“) oder auch aufs Spielfeld („return to play“) zurückkehren dürfen.

von Silvana Dietzendorff

Wozu dienen Muskelfunktionstests?

Für die Diagnose einer Muskelverletzung ist es wichtig, die verbliebene Leistungsfähigkeit des Muskels zu überprüfen. Dazu dienen manuelle Funktionstests oder apparative Untersuchungen wie die Elektromyografie (EMG), mit welcher sich die Aktivität des Muskels messen und feststellen lässt, ob es sich um eine Nerven- oder Muskelschädigung handelt. Zur Messung verwendet man Elektroden, welche entweder in Form von dünnen Nadeln direkt im Muskel oder als Oberflächenelektroden auf der Haut platziert werden.