Neue Hoffnung durch Neuromodulation
Wenn Schmerzen zum ständigen Begleiter werden, verändert sich das ganze Leben: Bewegung, Schlaf, Konzentration – alles dreht sich nur noch um die Frage, wie man den Schmerz aushält. Viele Betroffene haben schon zahlreiche konservative Therapien, medikamentöse Behandlung oder Operationen hinter sich, ohne nachhaltige Linderung zu erfahren. Doch es gibt eine moderne Behandlungsmöglichkeit, die Hoffnung schenkt: die Neuromodulation. Dabei handelt es sich um ein innovatives Verfahren, bei dem dünne Elektroden minimalinvasiv an Nerven oder am Rückenmark platziert werden. Diese sind mit einem kleinen Neurostimulator, auch Schmerzschrittmacher genannt, verbunden. Durch sanfte elektrische Impulse beeinflusst das System die Weiterleitung der Schmerzsignale im Nervensystem. Die Neuromodulation wurde speziell für Patient*innen entwickelt, deren Schmerzen trotz verschiedener Therapien fortbestehen.
„In sorgfältig ausgewählten Fällen können wir mit der Neuromodulation hervorragende Ergebnisse erzielen – mit geringem Eingriffsrisiko und ohne die Nebenwirkungen vieler Schmerzmedikamente“, erklärt Dalibor Arapovic, Neurochirurg am Caritas Schmerzzentrum in der Caritas-Klinik Dominikus in Berlin-Reinickendorf.
Akute Schmerzen sind wichtige Hinweise bei Verletzungen oder Erkrankungen, die vor der Gefahr warnen. Chronische Schmerzen hingegen haben keine Ursache, sondern sind eine eigenständige Erkrankung, bei der die Schmerzsignale immer stärker wahrgenommen werden. Hier setzt die Neurostimulation an: Durch den Schmerzschrittmacher wird die Weiterleitung der Schmerzsignale gezielt mit elektrischen Impulsen moduliert. So erreichen das Gehirn weniger oder gar keine Schmerzsignale mehr. Da die Empfindung „Schmerz“ im Gehirn entsteht, wird er dadurch spürbar gelindert oder verschwindet ganz.
Je nach Stimulationsprogramm spüren Patient*innen ein sanftes Kribbeln, das die Schmerzen überdeckt, oder nur die Schmerzfreiheit, weil die Stimulationsfrequenz unter der menschlichen Wahrnehmungsgrenze liegt. Es handelt sich um kein experimentelles Verfahren. Die Neuromodulation gibt es seit 60 Jahren. Die technische Entwicklung in den letzten zwei Jahrzehnten hat die Implantate zuverlässiger und in ihrer Wirkung potenter gemacht. Das Verfahren ist evidenzbasiert. Anwendungsgebiete für die Neurostimulation sind unter anderem chronische Rücken- oder Nervenschmerzen, nach Wirbelsäulenoperationen, beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS), schmerzhaften Polyneuropathien, Durchblutungsstörungen oder therapieresistenter Angina pectoris.
Vor der endgültigen Implantation erfolgt eine Testphase: Für etwa eine Woche trägt die Patientin oder der Patient einen externen Stimulator und testet, wie gut sich die Schmerzen reduzieren. Sollte sich keine Besserung einstellen, kann das System wieder entfernt werden.
Verringern sich die Beschwerden in der Testphase deutlich (mehr als 50 %), wird das System dauerhaft eingesetzt – meist unter örtlicher Betäubung und mit kurzer Genesungszeit. Der Stimulator ist dezent unter der Haut versteckt und von außen nicht sichtbar. Moderne Geräte lassen sich mit einer kleinen Fernbedienung oder App individuell einstellen. Viele Betroffene berichten nach der Versorgung mit einem Neurostimulator von besserem Schlaf, mehr Beweglichkeit und spürbar gesteigerter Lebensqualität.
Ein wichtiger Schritt – zurück in ein aktives, selbstbestimmtes Leben.
Dalibor Arapovic
Oberarzt & Sektionsleiter
Neuromodulation
Caritas Schmerzzentrum an der Caritas-Klinik Dominikus
Kurhausstraße 30
13467 Berlin
Tel. 030 – 40 92 – 523
schmerztherapie@dominikus-berlin.de