Bandscheibenvorfall

Laser oder Katheter?

„Minimalinvasiv“ heißt das Zauberwort: Eingriffe an der Wirbelsäule sind heute nur noch entfernt mit den großen, aufwändigen Operationen der Vergangenheit zu vergleichen. Viele Patienten sind jedoch angesichts der Flut neuer Behandlungsformen verunsichert. Welches der neuen Verfahren kommt für mich in Frage? Welches hat die geringsten Nebenwirkungen? Orthopress sprach in Köln mit dem Orthopäden Dr. Gert W. Graebner über die Unterschiede in der Technik der Laser- und Katheterbehandlung.

Herr Dr. Graebner, Sie führen beide Verfahren durch. Was bedeutet „Laserung der Bandscheibe“?

Die Bandscheiben sind quasi die Federungselemente der Wirbelsäule. Sie bestehen aus einem gallertartigen Wasserkissen, umgeben von einem festen knorpeligen Faserring. Dieses Kissen dämpft die Druck- und Stoßbelastungen, denen die Wirbelkörper im Alltag ausgesetzt sind. Verlagern sich diese Wasserkissen und drücken den Faserring heraus, so kann dieser Nerven bzw. schlimmstenfalls das Rückenmark abquetschen. Je nach Ausprägung spricht man entweder von einem Bandscheibenvorfall oder einer -vorwölbung.

Bei der Laserung der Bandscheibe wird dem Patienten in Bauchlage durch einen kleinen Hautschnitt ein dünnes Röhrchen in die Bandscheibe eingeführt. Nach einer Kontrastmittel- und Bildwandlerkontrolle wird dann der Lichtleiter für den Laserstrahl durch das Röhrchen eingeführt. Mit dem Laserstrahl wird dann im Kern der Bandscheibe Hitze freigesetzt, durch welche Teile des Wasserkissens verdampfen und so Platz schaffen, damit sich der vorgewölbte Faserring wieder zurückziehen kann. Durch die thermische Wirkung werden gleichzeitig schmerzleitende Nerven unterbrochen und tragen so zur Schmerzlinderung bei.

Worin besteht der Unterschied zur Kathe­tertechnik?

Während beim Laser die Schrumpfung der Bandscheibe durch Hitze herbeigeführt wird, handelt es sich bei der Kathetertechnik im Prinzip um einen sog. „osmotischen“ Vorgang. Dabei wird ein Katheter exakt an die Bandscheibe herangeschoben, durch den dann innerhalb von drei Tagen insgesamt viermal eine Kombination aus einer Kochsalzlösung und verschiedenen Medikamenten eingespült wird. So kann neben dem Schrumpfungseffekt an der Bandscheibe nicht nur eine abschwellende und schmerzlindernde Wirkung erzielt werden, sondern es können auch sehr effektiv Verklebungen und Entzündungen beseitigt werden, die ihrerseits Ursache verschiedenster Beschwerden sein können.

Man geht inzwischen davon aus, dass mit dieser Methode außerdem noch das „Schmerzgedächtnis“ des Rückenmarks positiv beeinflusst werden kann.

Wie groß sind die Erfolgsaussichten und wann gelangt welche Methode zum Einsatz?

Sowohl Laser als auch Katheter sind in wissenschaftlichen Studien gründlich untersucht worden. Beide Verfahren haben eine Erfolgsquote von rund 75%. Diese hängt jedoch wesentlich vom individuellen Krankheitsbild und Krankheitsverlauf ab. Daher müssen detaillierte Voruntersuchungen zeigen, welches Verfahren den größten Behandlungserfolg verspricht. Daneben spielt es auch eine Rolle, welche „Etage“ der Wirbelsäule von dem Bandscheibenvorfall betroffen ist. Der häufig anzutreffende Vorfall in der Lendenwirbelsäule kann zum Beispiel meist sehr gut mit der Kathetertechnik behandelt werden, da über eine natürliche Öffnung am Steißbein der operative Zugang für den Operateur vergleichsweise einfach ist. Steht die Ausschaltung von Schmerzleitern im Vordergrund, so kann jedoch auch die Laserbehandlung Vorteile bieten. Welcher Behandlung der Vorzug gegeben werden sollte, kann  immer nur im Einzelfall nach Schmerzanalyse entschieden werden.

Können bei der Laser-/Kathetermethode Nebenwirkungen auftreten?

Prinzipiell ist kein Eingriff völlig nebenwirkungsfrei, so gering er auch sein mag. Die Besonderheit der minimalinvasiven Behandlung liegt aber gerade darin, dass sie die möglichen Komplikationen und Nebenwirkungen einer „offenen“ Wirbelsäulen-Operation weitgehend ausschließt.

Herr Dr. Graebner, vielen Dank für das Gespräch.

von Lukas Grembermann

Ein Archivbeitrag* aus ORTHOpress 3 | 2000
*Archivbeiträge spiegeln den Stand zur Zeit der Erstveröffentlichung wieder. Die aktuelle Einschätzung des Sachverhalts kann durch Erfahrungszuwachs, allgemeinen Fortschritt und zwischenzeitlich gewonnene Erkenntnisse abweichen.