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VonStefanie Zerres

Operative Korrekturen von Fußdeformitäten

Bei Verformungen oder Fehlstellungen der Füße ist nicht nur das Gangbild gestört, sondern es kann zu negativen Folgen für den ganzen Bewegungsapparat kommen. In vielen Fällen helfen konservative Behandlungen. Starke und manifeste Veränderungen müssen jedoch meist operativ korrigiert werden. weiterlesen

VonRedaktion

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Konservative Therapie

Der Fuß ist der am stärksten belastete Abschnitt der Bewegungsorgane. Er stützt den Körper im Stehen, bildet beim Gehen, Laufen oder Springen eine mobile, aber zugleich feststehende Basis und erfasst sensorisch den Untergrund. Angeborene und erworbene Fehler der Fußwölbungen und Zehendeformitäten führen zu Veränderungen des Abrollvorgangs und haben unweigerlich lokale und auch generalisierte Überlastungsschäden zur Folge.

Der angeborene Klumpfuß sowie der Tintenlöscherfuß fallen bereits postnatal auf und gehören vom ersten Tag an in die Hände eines erfahrenen Orthopäden. Ihre Behandlung umfasst Redressionsgipse und Krankengymnastik und eine postoperative Nachbehandlung mit Ringorthesen, Spezialeinlagen und orthopädischen Schuhen bis ins Erwachsenenalter hinein. Der angeborene Sichelfuß ist ein eigenes Krankheitsbild und nicht etwa die leichte Form eines Klumpfußes. Die Deformität betrifft nur den Vorfuß, der in Anspreizung angewinkelt ist. Dabei ist das Fußgewölbe meist vertieft mit einer queren Falte an der Fußinnenseite. Unbehandelt führt diese Fußdeformität zum Serpentinenfuß. Die nichtoperative Behandlung erfolgt nach der Geburt durch Redressionsverbände, gefolgt von Bebax-Orthesen bis Laufbeginn, danach durch Antivarusschuhe und 3-Backen-Einlagen mit vorgezogenem Rand.

Der Hohlfuß lässt sich klinisch gegenüber dem Fuß mit hohem Spann klar abgrenzen. Er ist definiert durch eine stärkere Varusstellung des Rückfußes, ein erhöhtes Längsgewölbe, Krallenstellung der Zehen sowie die Einschränkung der Sprunggelenksbeweglichkeit. Meist wird die Deformität ab dem 8. Lebensjahr auffällig. Die Kinder klagen beim Schnüren der Schuhe über Schmerzen am Fußrücken. Redressierende Maßnahmen werden heute einhellig abgelehnt. Die Versorgung mit Einlagen ist möglich, führt jedoch nicht immer zum gewünschten Erfolg.

Der Knickfuß mit seinen verschiedenen Ausprägungen kann als angeborene oder erworbene Fußdeformität vorkommen. Er ist charakterisiert durch eine Innenrotation des Sprungbeins mit Abschwächung des medialen Längstragebogens bei gleichzeitiger nach außen gerichteter Abwicklung des Vorfußes. Der physiologische flexible Knickfuß zeigt unbelastet ein normales Fußgewölbe, im Stand sinkt das Fußlängsgewölbe dann ein. Er bedarf bis zum 4. Lebensjahr meist nur einer regelmäßigen Observation. Bei einer verstärkten Rückfußfehlstellung kommen Einlagen zur Anwendung. Klassische Vertreter von neutralen Einlagen sind die Fersenschale, die Detorsionseinlage und die Schrägeinlage. Als aktive Einlagen sind die sensomotorisch-propriozeptiven Einlagen zu verstehen.

Der Spreizfuß ist klinisch durch einen breiten Vorfuß mit scheinbar eingesunkenem Quergewölbe charakterisiert. Das Quergewölbe sinkt jedoch nicht ein, sondern seine Eckpfeiler Großzehe und Kleinzehe heben sich, sodass die übrigen Mittelfußköpfchen relativ tiefer stehen und daher beim Abrollen des Fußes zuerst und vermehrt belastet werden. Sie sind nun zum neuen Stützpfeiler geworden. Klinisch entsteht der Vorfußballenschmerz mit und ohne Hornschwiele. In den allermeisten Fällen kann diese Fußdeformität mit einer langsohligen Einlage mit Pelotte und Vorfußweichpolsterung gut behandelt werden. Als Schuhzurichtung benutzt man eine Schmetterlingsrolle mit Weichpolsterung.

Der Hallux valgus ist nicht nur ein kosmetisches Problem, er schafft Probleme und Schmerzen im Schuhwerk, verschiebt weitere Zehen und führt zu einem gestörtem Abrollvorgang. Schmerzen entstehen meist an der Innenseite durch den Schneiderballen oder am 2. Mittelfußköpfchen. Neben Nachtschienen und Zehenrichtern ist das Tragen von Einlagen zu empfehlen, da hierdurch die Druckverteilung am Vorfuß verbessert wird. Andere angeborene Zehendeformitäten wie die angeborene Hammerzehe, die reitende Zehe II–V, die Phalanx valga congenita und Varuszehen (curly toes) werden durch Schuhe mit ausreichenden Platzverhältnissen nach dem WMS-System, Nachtschienen und Pflasterverbänden / Zehenrichtern versorgt bis zur endgültigen operativen Versorgung, zumeist im Erwachsenenalter.

Präventive Maßnahmen 

Die zweifellos ausgezeichnete und wohlgemeinte Empfehlung, Kinder zum barfüßigen Laufen im Gras, Sand, Kieselsteinen und unregelmäßigen Böden anzuhalten, damit sie die funktionellen Möglichkeiten ihrer Füße üben, dürfte schwerlich durchzusetzen sein. Jahreszeiten und Witterung zwingen geradezu, die Füße zu schützen. Auch Kindergarten und Schule bieten immer weniger Zeit und Gelegenheit, dieser Empfehlung nachzukommen. Es bleibt somit die Forderung nach Kinderschuhen mit guter Passform und maximaler Flexibilität. Bei Fragen steht Ihnen der Verfasser des Artikels im Rahmen seiner Kindersprechstunde gern zur Verfügung. Weitere Möglichkeit:
online über www.kinderfusscheck.de

von Dr. med. Stefan Hipp

aus ORTHOpress 4/2016

 

Weitere Informationen:

Dr. med. Stefan Hipp

Facharzt für Orthopädie und Unfall-chirurgie, Sportmedizin, Chirotherapie, physikalische Therapie, Akupunktur, DVO-Osteologe

Manggasse 11 – 13

97421 Schweinfurt

Tel.: 09721 / 64 6 92 51

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