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                      ORTHOpress l Ratgeber
     SCHLAFPOSITIONEN
Was sie verraten und nach sich ziehen können
Nach einem langen Tag, wenn Körper und Geist müde sind, freuen wir uns auf unser Bett. Dabei nehmen wir meist
– bewusst und auch unbewusst – zwar in einer Nacht mehrere, aber dennoch bestimmte Positionen bevorzugt ein. Diese Präferenzen sollen sogar Aussagen über den Charakter des Schläfers zulassen. Zudem bieten sie aus gesundheitlichen Aspekten verschiedene Vor- und Nachteile.
          Schlafende Hauskatzen geben oft ein ähnliches Bild ab: ein einge- rolltes Knäuel, meist seitlich oder
auf dem Bauch ruhend. Schläft eine Kat- ze tatsächlich einmal auf dem Rücken ein, so soll dies ein Zeichen besonderen Wohlbefindens und die Wahrnehmung einer sicheren Umgebung bedeuten. Schließlich gelingt es den Vierbeinern so weniger schnell, aufzustehen und sich bei Gefahr in Sicherheit zu bringen.
Rechts, links, oben, unten– die Mischung macht’s
Der Mensch hingegen variiert in seinen Schlafpositionen. Mehrmals in der Nacht ändern wir diese im Schlaf. Trotzdem ha- ben viele eine bevorzugte Liegeweise. Bis auf die Stellung, in der wir einschlafen, ha- ben wir kaum Einfluss darauf. Höchstens Hilfsmittel, wie zum Beispiel Seitenschlä- ferkissen, können dabei mithelfen, auf eine bestimmte Art und Weise zu ruhen.
Am weitesten verbreitet sind folgende Schlafpositionen: Rückenlage, Seiten- lage und Bauchlage. Dabei können die genauenAusführungenvariierten.Bei- spielsweise mag der eine Bauchschläfer die Beine stets gerade abgelegt haben, während der andere eines oder auch beide Beine froschartig anwinkelt. Die Rückenlage erscheint dabei besonders gesund zu sein. Wer jedoch anfällig für Schnarchen ist, kann dieses damit be- günstigen. Denn auf der Körperrückseite liegend kann die Zunge in den Rachen zurückfallen und so die Atemwege ver- engen. Im schlimmsten Falle kann es
sogar zu Atemaussetzern und einer so- genannten Schlafapnoe mit entspre- chenden Folgeerkrankungen kommen. Am besten sollte der Kopf in der Rücken- lage auf einem flacheren Kissen abgelegt sein, damit das Körpergewicht gleichmä- ßig verteilt aufliegt. Schwangere im letz- ten Drittel der Schwangerschaft sollten möglichst nicht auf dem Rücken liegen, da in dieser Position die Gebärmutter auf die untere Hohlvene drückt und so der Blutrückfluss zum Herzen vermindert wird und als Folge auch der Embryo min- derversorgt wird. Schwangere liegen am besten in der Linksseitenlage.
Das Risiko zu schnarchen ist auf der Sei- te liegend geringer. Weitere Einflüsse auf einen in Seitenlage schlafenden Körper sind abhängig davon, welche Körpersei- te aufliegt. Beim Schlaf auf der rechten Seite kann es zu Magen- oder Verdau- ungsproblemen kommen. Da so eher ein Rückfluss der Magensäure in die Spei- seröhre erfolgt, ist ein Reflux möglich. Außerdem werden Magen, Darm und Bauchspeicheldrüse unter Umständen beengt, sodass ihre Arbeit auch im Schlaf erschwertwird.DiessollbeimSchlafen auf der linken Seite weniger problema- tisch sein. Zudem soll diese Ausrichtung günstiger sein, um Herzproblemen vorzu- beugen, da sie die linksgebogene Haupt- schlagader unterstützt. Am besten ist es aber ohnehin, wenn die Schlafstellung immer wieder gewechselt wird, sodass sie insgesamt ausgeglichen ist.
Die Bauchlage scheint weder das Risi- ko für Atemblockaden und Schnarchen
noch für Magen-Darmprobleme zu er- höhen. Ob sie sich eher günstig oder ungünstig auf den Bewegungsappa- rat auswirkt, ist umstritten und hängt auch von der Matratzenhärte ab. In kei- nem Fall sollten Babys zum Schlafen auf den Bauch gelegt werden. Was für größere Kinder und Erwachsene harm- los ist, birgt für sie die Gefahr des so- genannten plötzlichen Kindstodes.
Aus orthopädischer Sicht
Wer Rückenschmerzen hat, kann unter Umständen schlecht schlafen. Ist der Schlaf nicht erholsam, schädigt das den gesamtkörperlichen Zustand und auch der Bewegungsapparat kann sich nicht erholen. Es handelt sich also um eine gegenseitige Beeinflussung, die es zu vermeiden gilt. Besonders auch die Wirbelsäule und ihre flüssigkeitsgefüll- ten Bandscheiben benötigen die Ruhe- phase zur Entlastung und Regeneration.
Darüber, welche Position dabei die günstigste ist, bestehen verschiedene Meinungen. Während die Bauchlage einerseits als günstig beschrieben wird, weil sie die natürliche Wirbel- säulenkrümmung unterstütze, wird sie ansonsten häufig als eher ungesund beschrieben. Der Grund dafür sei, dass der Kopf meist zu einer Seite liegt und dabei die Halswirbelsäule stark über- streckt wird. Bei einer zu weichen Mat- ratze, die nachgibt, kann abhängig vom Körpergewicht das Becken zudem zu sehr einsinken, sodass der Schlafende in einem Hohlkreuz liegt.
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