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                Dens Axis
Ratgeber l ORTHOpress
  C1 Atlas š C2 Axis š
C3š C4š
C5š C6š C7š
™ Oberes Kopfgelenk ™ Unteres Kopfgelenk
Wirbelbogen
Die Halswirbelsäule
Schwachstelle und Problemzone
Die Halswirbelsäule (HWS) ist der beweglichste Teil unserer Wirbelsäule, zugleich aber auch eine ihrer größten Schwachstellen. Mit ihren sieben Wirbeln bildet sie ein komplexes Gefüge aus Wirbelknochen, Bandschei- ben, Gelenken, Bändern und Muskeln. Zudem verlaufen hier wichtige Blutgefäße und Nerven auf engem Raum. Dementsprechend gravierend können die Folgen sein, wenn es in dieser sensiblen Körperregion zu Überlastungen, Verletzungen und Verschleißerscheinungen kommt.
Durch die Halswirbelsäule, welche wie die Lendenwirbelsäule nach vorne gekrümmt ist, werden wir in
die Lage versetzt, unseren Kopf zu he- ben, zu senken und zu drehen sowie nach links und rechts zu neigen. Eine zentrale Rolle spielen dabei die ersten beiden Halswirbel, die als Atlas und Axis bezeichnetwerden.DerNameAtlasgeht auf den berühmten griechischen Titanen zurück, auf dessen Schultern das gesam- te Himmelsgewölbe gelastet haben soll. Zusammen mit dem Hinterhauptbein bil- det er das obere Kopfgelenk. Diese Ver- bindung ist lediglich von einer schlaffen Gelenkkapsel umgeben und wird durch Bänder gesichert, die sich zwischen dem Hinterhauptloch und dem vorderen und hinteren Atlasbogen befinden. Gemein- sam mit dem Kopf dreht sich der Atlas im unteren Kopfgelenk um den Zahn (Dens) des Axis-Wirbels.
Ein HWS-Syndrom kann vielfältige Facetten haben
Da sich die Kopfgelenke durch keine be- sonders große Stabilität auszeichnen, besteht eine relativ große Anfälligkeit für Verletzungen und Funktionsstörun- gen, welche die Beweglichkeit beein- trächtigen können. Aber auch in neuro- logischer Hinsicht ist der Halsbereich ein „Risikogebiet“. Denn hier treten acht paarige Nerven aus dem Rücken- mark aus, von denen im Wesentlichen die oberen vier Kopf, Hals und Zwerch- fell und die unteren vier Brust- und Arm- muskulatur versorgen. Wenn diese Ner- ven gereizt oder gequetscht werden,
kann es zu Empfindungsstörungen wie Kribbeln und Taubheitsgefühlen sowie einer Kraftminderung in den oberen Ex- tremitäten kommen.
Die unterschiedlichen Beschwerden, die von der Halswirbelsäule ausgehen können, werden unter der Bezeichnung HWS-Syndrom zusammengefasst. Die Fülle der möglichen Symptome ist be- trächtlich. Genannt seien einige typi- sche Folgeerscheinungen:
Verspannte Muskeln im Nacken- und Schulterbereich
Druck- und Klopfschmerzen in Nacken und Schulter, die bei Bewe- gungen des Kopfes stärker werden und in manchen Fällen bis in die Arme ausstrahlen
Ein Gefühl der Instabilität, wenn der Kopf in den Nacken gelegt wird
Missempfindungen in Rücken, Schultern und Armen, im schlimms- ten Fall bis zu Lähmungen in Armen und Fingern
Schwindel und Übelkeit Sehstörungen
Hörstörungen wie Ohrensausen oder Tinnitus, im Extremfall bis hin zur Taubheit
Schlafstörungen Schluckbeschwerden
Zu den direkten Auslösern eines HWS- Syndroms gehören vor allem Muskel- verspannungen im Nacken, die häufig durch Fehlhaltungen hervorgerufen wer- den, wie sie zum Beispiel mit sitzenden
Tätigkeiten verbunden sind. Aber auch Stress und psychische Überlastung, die den Betroffenen gegebenenfalls, wie der Volksmund sagt, regelrecht im Nacken sitzen, können mit schmerzhaften Fol- gen in Verbindung stehen. Manchmal wiederum besteht die Ursache schlicht und einfach darin, dass sich die Betroffe- nenlängereZeitinZugluftaufgehalten haben. Weitere mögliche Faktoren, die einen Einfluss auf die Entstehung eines HWS-Syndroms ausüben können, sind:
Degenerative Veränderungen der Knochen, Wirbelkörper und Knorpel
Verletzungen der HWS wie zum Beispiel Frakturen
Akute Überlastungen, zum Beispiel infolge „Überhebens“ oder eines sogenannten Beschleunigungs- traumas
Keil- oder Blockwirbelbildungen Facettengelenksarthrose
Falsches Zusammenspiel von Unter- kiefer und Schädel (Craniomandi- buläre Dysfunktion – CMD)
Knochenwucherungen, sogenannte Osteophyten
Atlasassimilation, Verwachsungen des Atlas mit dem Hinterhauptbein
Bandscheibenvorfälle
Entzündliche rheumatische Erkran- kungen wie Morbus Bechterew oder Rheumatoide Arthritis
Knochenstoffwechselerkrankungen wie Osteoporose und Rachitis
Knochentumoren Hirnhautentzündungen
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