Page 30 - ORTHOpress 3-2020 K
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OP in Corona-Zeiten?
Das Orthopädische Krankenhaus gilt als Vorzeigeklinik für Krankenhaushygiene. Präoperative Hautdesinfektion mit Octenidin, MRSA-Schnelltest oder Operationen im Astronauten- helmsystem sind nur einige Highlights des Hygienekonzepts. Welche Maßnahmen die Klinik in der Corona-Krise zusätzlich ergriffen hat, erfahren wir vom Krankenhaushygieniker und Ärztlichen Direktor Prof. Dr. med. Christian Hendrich.
   „Astronautenhelm“ mit Filterung der Atemluft des Operateurs
   COVID-19-Schnelltest der Firma GeneXpert
   Videosprechstunde über den Dienst Medityme
  Schnellfit®: Erstmobilisierung zwei Stun- den postoperativ auf der Wachstation
  Gehtraining drei Tage postoperativ
Herr Prof. Hendrich, Sie sind seit 2005 Chefarzt. Haben Sie so etwas wie die Corona-Krise schon einmal erlebt?
Prof. Hendrich: Das hat wohl niemand, der heute noch klinisch tätig ist. Umso mehr Respekt müssen wir unseren Vor- gängern zollen, die die Tuberkulose als potenziell lebensbedrohliche Tröpfchen- infektion mit weit bescheideneren Mitteln, strenger Hygiene und beharrlicher Kon- sequenz in den Griff bekommen haben.
Mittlerweile geht die Zahl der Infek- tionen zurück. Wie hat das Virus in der Hochphase Ihre Arbeit beeinflusst? Tatsächlich hatten wir recht früh mit Schutzausrüstung vorgesorgt. Eine reine Spezialklinik für Orthopädie hat es na- türlich einfacher als die Kliniken der Maximalversorgung, die in Nordbayern geradezu Übermenschliches leisten mussten. Wir haben alle verschiebbaren Operationen abgesagt und mit unseren Krankenschwestern und Ärzten in unse- rer Schwesterklinik–dem Thoraxzentrum im nahe gelegenen Münnerstadt – aus- geholfen. Mit dem daheim gebliebenen Team haben wir Unfälle behandelt. Da- bei waren auch Patienten mit Corona.
Wie sieht so etwas praktisch aus?
Wenn ein Corona-Patient mit einer Schenkelhalsfraktur kommt, müssen wir ihn trotz Infektion so schnell wie mög- lich operieren. Dazu wird er von einem Team in Schutzausrüstung direkt in den Röntgenraum (der danach sofort wieder desinfiziert wird!) und in den OP beglei- tet. Die OP erfolgt in einem dafür reser- vierten Saal, ebenfalls mit Atemschutz- maske. Anschließend kommt der Patient auf ein für ihn vorbereitetes Isolierzimmer.
Mittlerweile stehen Ihnen verschiedene Schnelltests zur Verfügung?
Im Rachenabstrich können wir das Erb- gut des Virus nachweisen. Das Tester- gebnis erfährt man jedoch erst am nächsten Tag. Ganz aktuell haben wir für Notfälle den lang ersehnten Schnelltest bekommen. Das Ergebnis liegt in 45 Minuten vor. Noch schneller ist der Anti- körpertest. Ein Tropfen Blut aus dem Ohrläppchen verrät innerhalb von 10 Mi- nuten, ob der Patient bereits Antikörper gebildet hat und folglich Kontakt mit dem Virus hatte.
Sind diese Tests zuverlässig?
Auch wenn es manchmal schwer zu ak- zeptieren ist: Jeder Labortest hat Fehler- möglichkeiten. Die Zuverlässigkeit des Bluttests liegt bei über 97 Prozent, die des Virus-Schnelltests noch höher. Aller- dings ist der Nachweis im Rachenab- strich zu verschiedenen Phasen der In- fektion unterschiedlich erfolgreich.
Vor einer OP erhält jeder Ihrer Patienten beide Tests?
Und nicht nur das. Auch alle unsere Schwestern und Ärzte werden regelmä- ßig getestet. In der Medizin gibt es nie eine 100-prozentige Sicherheit. Aber mit der Kombination beider Tests, der wei- terhin zu stellenden Frage nach Sympto- men und der Temperaturmessung sind wir so etwas wie eine Corona-freie Zone.
Und Ihre Patienten in der Sprechstunde?
Wenn jemand für 15 Minuten zu einem Termin kommt, sind die Schnelltests kaum verhältnismäßig. Bei Verdacht führen wir ihn natürlich durch. Hier setzen wir neben den obligatorischen Fragen und der Fiebermessung auf den Mund-Nase-Schutz. Bei Tätigkeiten di- rekt am Patienten verwenden wir auf jeden Fall die sogenannte FFP2- Schutzmaske.














































































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