Page 20 - ORTHOpress 3-2020 K
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                ORTHOpress l Diagnose & Therapie
Die obere Extremität
UNIVERSALWERKZEUG UNSERES KÖRPERS
Ohne die Funktionalität unserer oberen Extremität wären die meisten Tä- tigkeiten und damit der größte Teil unseres täglichen Lebens nicht denk- bar. Die Einsatzfähigkeit von Arm und Hand reicht dabei vom kraftvollen Holzhacken bis hin zu filigranen Bewegungen im Millimeterbereich wie dem Einfädeln einer Nadel. Eine Vielzahl von Gelenken ermöglicht eine nahezu beliebige Kombination stufenloser Kipp-, Dreh- und Schwenkbe- wegungen, die auch die Fähigkeiten der besten Roboter in den Schatten stellen. Umso größer sind die Einschränkungen bei Erkrankungen.
  SCHULTER UND OBERARM
Verantwortlich für die Bewegungsfreiheit unserer Arme ist vor allem das Schulter- gelenk. Dieses Kugelgelenk wird durch den Oberarmkopf, das Schulterdach und das Schlüsselbein gebildet. Geführt wird das Gelenk zum einen durch zwei Oberflächenmuskeln, den Delta- und den Trapezmuskel. Dazu kommt die in der Tiefe liegende Schulterhaubenmus- kulatur, die sogenannte Rotatorenman- schette. So wird die den Oberarmkopf umschließende Muskulatur genannt, die für das Anheben und die Drehung des Oberarmes zuständig ist. Durch Unfälle, aber auch degenerative Erkrankungen wie Arthrose oder andere Erkrankun- gen des rheumatischen Formenkreises kann es zu Schmerzen und Funktions- einschränkungen des Schultergelenks kommen. Häufig äußern sich Schulter- erkrankungen durch ein sogenanntes Impingement-Syndrom. Dabei wird der Raum unter dem Schulterdach zu eng und die dort befindlichen Strukturen wie Sehnen, Schleimbeutel und Muskeln haben nicht genügend Platz. Die Folge können neben Schmerzen Entzündun- gen und erhöhter Verschleiß sein. Dieser kann zu weiteren Folgeschäden wie Seh- nenteilrissen oder gar Sehnenabrissen führen. Glücklicherweise ist es heute möglich, bei ungenügendem Anspre- chen auf konservative Behandlungsme- thoden wie Medikamentengabe, Physio- therapie oder gezieltes Muskeltraining die Ursachen einer Schultererkrankung
arthroskopisch – das heißt durch einen „Schlüssellocheingriff“–zu versorgen. So können zum Beispiel viele Sehnen- defekte genäht oder kleinere Knorpel- schäden an der Gelenkoberfläche re- pariert werden. Im Falle einer starken Schädigung des Gelenks kann wie bei Hüft- oder Kniegelenken auch eine en- doprothetische Versorgung vorgenom- men werden, die von einem reinen Ober- flächenersatz bis hin zur Implantation komplexer Prothesensysteme reicht. Diese sind so konstruiert, dass sie sogar den durch die Zerstörung großer Teile der Rotatorenmanschette eingetretenen Funktionsverlust in bestimmten Grenzen kompensieren können.
An der Schulter setzt der Oberarm an, der die Verbindung zum Ellbogen dar- stellt. Er besteht aus einem einzigen Knochen, an dem das Weichteilgewe- be anliegt. Die Muskeln des Oberarms werden auf der Streckseite gebildet vom dreiköpfigen Oberarmmuskel, dem Trizeps, und auf der Beugeseite vom zweiköpfigen Oberarmmuskel, dem Bizeps, sowie dem Brachialismus- kel. Für die Bewegung des Oberarms sind jedoch nicht nur diese Muskeln verantwortlich, sondern auch Mus- keln des Schulter- und Brustbereichs. Auch gehen die häufigsten Oberarm- schmerzen vom Deltamuskel aus, der für das Anheben des Armes zuständig
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