Page 69 - ORTHOpress 1-20 Rhein-Main
P. 69

                eingeführt haben, mit dem diesem Um- stand Rechnung getragen werden soll- te. Dieser Weg ist jedoch im Großen und Ganzen wieder verlassen worden und war eigentlich nur ein Zwischenschritt auf dem logischen Weg zum „Maß- implantat“, welches für jeden Patienten individuell hergestellt wird.
Aber welche Nachteile hat der Patient durch ein Standardimplantat?
Prof. Becher: Grundsätzlich wird bei ei- ner Prothese „von der Stange“ nicht der Gelenkersatz an den Knochen ange- passt, sondern umgekehrt. Dies führt neben unnötig hohem Knochenverlust meist zu einer Überdimensionierung, um eine ausreichende Abstützung auf dem Knochen zu erreichen. Untersu- chungen zeigen, dass am Oberschenkel bis zu 76Prozent, am Schienbeinkno- chen bis zu 90Prozent aller Implantate solcherart überdimensioniert sind. Das Resultat ist eine nicht optimale Beweg- lichkeit und möglicherweise fortbeste- hender Schmerz.
Ein weiterer Nachteil ist die mit Stan- dardimplantaten fast immer herge- stellte Begradigung der Beinachse. Das klingt doch eigentlich positiv?
Prof. Becher: Die Begradigung der Bein- achse auf das vermeintliche Idealmaß von 180° ist heute goldener Standard in der Kniendoprothetik. Sie ist jedoch hauptsächlich einer möglichst gleichmä- ßigen Lastverteilung geschuldet. So sol- len Gelenkabrieb und damit Lockerungen vermieden werden. In Wirklichkeit hat aberkaumjemandeinesogeradenatür- liche Beinachse. Die durchschnittliche Schrägheit der Gelenkfläche beträgt 3°, was neben den Oberschenkel- und SchienbeinwinkelnauchvonderPass- form der Gelenkflächen zueinander, der Gelenkflächenkonvergenz, bestimmt wird. Diese natürliche Schräge versucht man bei Standardprothesen mit einem sogenannten anatomischen Alignment, also durch einen mehr oder weniger schrägen Knochenschnitt, zu imitieren. Dies führt jedoch oft zu asymmetrischen Knochenresektionen und Instabilität.
Die ORIGIN® Custom Knieprothese des Herstellers Symbios vermeidet jetzt die- se Nachteile. Wie funktioniert das? Prof. Becher: Grundlage der Versorgung mit einer ORIGIN® Custom Prothese ist eine Computertomografie (CT), mit der Hüfte, Knie und Sprunggelenk darge- stellt und dreidimensional visualisiert werden. So kann ein Modell der ur- sprünglichen Knieanatomie erstellt wer- den, anhand dessen der knöcherne Abrieb und die arthrotische Deformität beurteilt werden kann. Ausgehend von dieser kartografischen Erfassung des Ist-Zustandes werden dann die Femur- komponenten aus einer Chrom-Kobalt- legierung individuell angefertigt.
Für welche Patienten ist eine solche In- dividualendoprothese geeignet?
Prof. Becher: Letztlich zeigen sich die Vorteile bei allen Patienten. Ein nicht vorhandenes oder zumindest deutlich reduziertes Fremdkörpergefühl bei besserer Funktionalität führen zu hö- herer Sicherheit und mehr Lebens- qualität. Ob die Standzeiten der Indivi- dualprothesen auf lange Sicht besser sind, wird sich zeigen müssen. Insbe- sondere jüngere Patienten profitieren jedoch auf jeden Fall von einem beson- ders knochensparenden Ersteingriff, denn sie müssen ja damit rechnen, ir- gendwann noch eine Wechselope- ration zu erleben.
Herr Prof. Becher, haben Sie herzlichen Dank für Ihre Ausführungen!
Prof.Dr.med.ChristophBecher FacharztfürOrthopädieundUnfallchirurgie
 ATOS Klinik Heidelberg Bismarckstraße 9 – 15 69115 Heidelberg
Tel.: 06221 / 98 31 90 www.atos-kliniken.com
ANZEIGE l ORTHOpress
   Gleichzeitig wird ein ebenfalls individu- alisiertes Instrumentarium hergestellt, mit welchem der Operateur unter größt- möglicher Schonung von Knochen- und Weichteilgewebe den Gelenkersatz vor- nehmen kann. Unter Zuhilfenahme kli- nischer Angaben wie etwa einer nach- gewiesenen Fehlstellung und der bei einer gewichtsbelasteten Ganzbein- standaufnahme ermittelten Anatomie kann dann die natürliche Beinachse optimal rekonstruiert werden. Die na- türliche Gelenkschräge wird dabei durch eine Anpassung des Knochen- schnitts und ein asymmetrisches Poly- ethylen-Inlay wiederhergestellt. Ein weiterer Vorteil: Durch die exakt auf den Einsatz dieser einen Prothese zuge- schnittenen Instrumentarien und Schnittblöcke wird für die Implantation weniger Zeit benötigt als für eine her- kömmliche navigierte Knieoperation.
  69




















































































   67   68   69   70   71