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Herr Prof. Becher, warum ist der Ersatz des Hüftgelenks einfacher als der Ersatz des Kniegelenks?
Prof. Becher: Die individuellen Gege- benheiten weichen im Falle des Hüftge- lenks bei jedem Patienten nur relativ gering voneinander ab. Die Überda- chung durch die Hüftpfanne und die starke muskuläre Ummantelung sorgen für eine gleichmäßige Führung des Ku- gelgelenks. Zudem wird die Beinachse selbst durch den Ersatz des Hüftkopfs praktisch nicht verändert. Nach einem erfolgreich verlaufenen Ersatz des Hüft- gelenks mit modernen minimalinvasi- ven Methoden haben die Patienten da- her in der Regel auch keinerlei Fremd- körpergefühl. Beim Kniegelenk ist dies anders. Es gibt üblicherweise zahl- reiche Parameter, die von denen des Originalgelenks abweichen und die zu einer veränderten Wahrnehmung des Patienten führen.
Worin bestehen diese?
Prof. Becher: Beim Kniegelenk handelt es sich entgegen landläufiger Meinung nicht um ein einfaches Klappscharnier. Die Bewegung ist erheblich komplexer. Sie umfasst nicht nur ein Rollen um die horizontale Achse, sondern gleichzeitig ab einer gewissen Beugung ein Gleiten. Bei diesem kombinierten Bewegungs- ablauf spielen die Bandspannung und
auch die Geometrie des Gelenks eine große Rolle. Beim endoprothetischen Ersatz der Gelenkflächen kommt daher der Nachahmung natürlicher Verhältnis- se eine große Rolle zu. Abweichungen davon beeinflussen sowohl das Empfin- den des Patienten wie auch die Funktio- nalität des Kunstgelenks.
Die verschiedenen Komponenten der Standardimplantate stehen heute ja in einer Vielzahl von Ausführungen zur Verfügung. Lassen sich mit den mögli-
chen Kombinationen nicht praktisch alle Eventualitäten abdecken?
Prof. Becher: Die Anpassungsmöglich- keit durch die verschiedenen Größen ist in Wirklichkeit relativ begrenzt und sel- ten mehr als eine grobe Annäherung an die Anatomie des Patienten. Schon die Unterschiede zwischen Mann und Frau lassen sich häufig nicht zufriedenstel- lend abbilden, weshalb mehrere Pro- thesenhersteller bereits vor einigen Jah- ren ein geschlechtsspezifisch unter- schiedlich geformtes „Gender Knee“
Knieprothese nach Maß
Natürliche Beinachse durch Individualimplantat
Rund 20 Prozent der Empfänger einer Kniegelenkendoprothese sind mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Viele Mediziner gehen davon aus, dass sich dieser Anteil stark verringern ließe, wenn die Endoprothesen den geometrischen Zustand des Originalgelenks besser abbilden würden. Prof. Dr. Christoph Becher von der ATOS Klinik Heidelberg setzt jetzt das ORIGIN® Custom-Knie des Her- stellers Symbios ein, welches individuell nach den anatomischen Gegebenheiten des Patienten angefertigt wird.
 Bei der Planung des ORIGIN® Custom-Knies wird die natürliche Beinachse des Patienten berücksichtigt.
So soll ein möglichst geringes Fremdkörpergefühl und eine lange Standzeit der Prothese gewährleistet werden.




















































































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