Page 62 - ORTHOpress 1-20 Rhein-Main
P. 62

                ORTHOpress l Titel
 Was leistet Neurofeedback?
Das Gehirn lernt und der ganze Mensch profitiert
Die Prozesse, die in unserem Gehirn ablaufen, sind uns normalerweise verborgen. Anders als etwa der Magen, der vielleicht hin und wieder knurrt, oder das Blut, das manchmal in unseren Adern pocht, arbeitet das zentrale Nervensystem völlig diskret. Erst die moderne Technik hat es möglich gemacht, Hirnaktivitäten ein Stück weit transparent zu machen. So gehört es heute zum medizinischen Alltag, Hirnwellen mithilfe eines Elektroenzephalogramms (EEG) darzustellen. Nutzen lässt sich dies inzwischen aber nicht nur zu diagnostischen, sondern auch zu thera- peutischen Zwecken. Eine Methode, die zur Behandlung verschiedener Erkrankungen eingesetzt wird, ist das Neurofeedback (Feedback = englisch Rückmeldung).
      Neurofeedback ist ein verhaltens- therapeutisches Verfahren, das dazu dient, die Selbstregulation
des zentralen Nervensystems anzure- gen und ihm so zu einer besseren Funktionstüchtigkeit zu verhelfen. Die- ses versucht man durch eine Optimie- rung der Hirnströme zu erreichen, mit dem Ziel, mentale Vorgänge wie Den- ken und Wahrnehmen sowie auch das Verhalten zu verändern und das Wohl- befinden dauerhaft zu steigern. Darü- ber hinaus kann man so lernen, sich tiefer zu entspannen oder seinen Schlaf zu verbessern.
Positive Prozesse werden verstärkt
Zu Beginn einer Sitzung werden auf der Kopfhaut des Patienten mehrere Elek- troden befestigt, mit denen die Hirn- ströme gemessen und auf dem Bild- schirm eines Computers, Laptops oder Tablets dargestellt werden. Da sich Hirnströme im EEG zunächst aus- schließlich in Form von Wellen präsen- tieren, sind sie für den medizinischen Laien häufig nur schwer interpretier- bar. Daher werden sie für den Pro-
banden in eine anschauliche Gestalt umgewandelt und in einer Grafikse- quenz sichtbar gemacht. Das kann bei- spielsweise ein Vogel sein, der, abhän- gig davon, wie sich die Hirnaktivität verändert, zum Himmel aufsteigt oder zur Erde hinabsinkt. Dem Patienten stellt sich im Rahmen des Neurofeed- backtrainings die Aufgabe, seine Hirn- aktivität so zu steuern, dass er das bildliche Geschehen „positiv“ beein-
flusst, also in diesem Fall etwa dafür sorgt, dass der Vogel möglichst hoch fliegt. Durch die mit dem Training ver- bundenen Erfolgsmeldungen lernt er, den Zustand der „verbesserten“ Hirn- aktivität immer rascher und dauerhaf- ter herzustellen. Da das Gehirn dabei keinerlei elektrischen Impulsen aus- gesetzt wird, ist der ganze Vorgang völ- lig ungefährlich und sowohl schmerz- als auch nebenwirkungsfrei.
 62
























































































   60   61   62   63   64