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 Darum muss ein Hüftgelenk ausgetauscht werden
 Ärzte unterscheiden beim Prothesen- wechsel zwischen Früh- und Spätrevisio- nen. Frührevisionen werden meistens in den ersten beiden Jahren nach dem Ein- setzen des Implantats notwendig. Meist ist es dann eine Infektion, welche eine Entfernung des Gelenks, eine anschließen- de Defektsanierung und nach der Aushei- lung die Implantation einer neuen Prothe- se erfordern. Bei den Spätrevisionen sind in der Regel biomechanische Gründe ausschlaggebend. Diese können in einem Implantatversagen, aber auch in einer Prothesenlockerung bestehen. Bei der sogenannten „aseptischen Lockerung“ kommt es meist durch den Polyethylen- abrieb an der Pfanne zu einer Fremd- körperreaktion, die zu einem Knochen- rückgang um die Prothese herum führt.
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REVISIONSENDOPROTHETIK
Wenn das Hüftgelenk gewechselt werden muss
Wer heutzutage ein „neues Hüftgelenk“ eingesetzt bekommt, der denkt in den meisten Fällen nicht daran, dass dieses irgendwann einmal ausgetauscht werden könnte. Dennoch gehört die Wechseloperation heute auch zu den Standardeingriffen – schließlich sind auch modernste Endoprothesen nicht unbegrenzt haltbar, und die Empfänger werden immer jünger.
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Rund 200.000Mal im Jahr wird in Deutschland eine Hüftprothese im- plantiert. Noch vor etwa 15 Jahren
wurde jede zweite davon einzementiert; heute hat sich die zementfreie Implanta- tion per Press-Fit-Verfahren weitgehend durchgesetzt. Nicht nur, weil sich heute auch ohne Zement eine ausreichende Stabilität herstellen lässt: Der Verzicht darauf erleichtert auch eine spätere Wechseloperation, weil er dem Patien- ten und dem Operateur die weiträumige Entfernung ausgehärteten Knochenze- ments erspart. Diese kostet nämlich wert- volle Knochenmasse – und diese wird dringend benötigt, um auch die Folge- prothese noch sicher zu verankern. Auch die Implantationstechnik und die Im- plantatwahl spielen für den Erfolg einer
zukünftigen Wechseloperation eine Rolle. Besonders die seit einiger Zeit auf dem Markt befindlichen Kurzschaftprothesen sind für den Einsatz bei jungen Patienten sehr interessant, denn diesen stehen in den kommenden Jahrzehnten unter Um- ständen noch ein oder mehrere Prothe- senwechsel bevor. Kurzschäfte können gegenüber herkömmlichen Langschaft- systemen besonders gut muskel- und knochenschonend eingesetzt werden.
Prothesenabrieb führt zur Lockerung
Der häufigste Grund für einen Prothesen- tausch ist die sogenannte aseptische Lockerung. So bezeichnet man eine Aus- lockerung der Prothese, die durch eine nicht infektiöse Entzündung hervorgeru- fen wird. Als verantwortlich dafür gelten Metall- oder Kunststoffpartikel, die als Abrieb bei jeder Bewegung entstehen und eine Gewebereaktion auslösen, die zum Rückgang der die Prothese umge- benden Knochenmasse führt. Für den Abrieb der Prothese spielt die sogenann- te Gleitpaarung – also die Kombination der Materialien, die bei der Bewegung der Prothese aufeinandertreffen – eine wichtige Rolle. Leider werden auch heute noch günstige mechanische Eigenschaften oft mit einem höheren Abrieb erkauft, während geringer Abrieb nicht selten mit unerwünschten mechanischen Eigen- schaften wie mangelnder Elastizität und höherer Bruchneigung einhergeht.
Wenn die Prothese infiziert ist
Neben der aseptischen Lockerung kann die Prothese auch aufgrund einer bakte-
riellen Infektion auslockern oder auf- grund der Entzündung eine Entfernung nötig werden. In diesen Fällen kann in der Regel jedoch nicht sofort nach dem Ausbau der alten Prothese eine neue eingesetzt werden. Meist wird ein zwei- zeitiger Wechsel durchgeführt, bei dem zunächst durch einen antibiotikabe- schichteten Platzhalter aus Knochenze- ment die Infektion zur Ausheilung ge- bracht wird. Erst nach weiteren sechs bis acht Wochen kann dann der erneute Wiedereinbau einer Prothese in Angriff genommen werden. Wurde beim Erst- eingriff eine zementierte Lösung ge- wählt, so kann weiträumige Öffnung des Oberschenkelschaftes notwendig wer- den, um den Knochenzement komplett entfernen zu können. Dann wird meist keine herkömmliche, sondern eine spe- zielle Wechselprothese eingesetzt. Bei größeren Knochendefekten werden die- se zunächst mit Knochenersatzmateria- lien oder Fremdknochen aufgefüllt. Oft werden dann beim Ersatz der Hüftpfan- ne aus Gründen der Stabilität auch ge- schraubte oder zementierte Pfannen eingesetzt. Generell bieten modulare Revisionssysteme heute Lösungen für beinahe jede mögliche Situation. Der Operateur ist damit auch für solche Situ- ationen gerüstet, in denen sich erst während des Eingriffs das Ausmaß der zu versorgenden Schäden zeigt. Auch die besten Revisionsendoprothesen rei- chen von der zu Standzeit jedoch nicht an die Standardimplantate heran. Umso wichtiger ist es, dass die Primärimplan- tation – also der Einbau der ersten Pro- these – knochensparend erfolgt.
von Arne Wondracek
 


















































































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