Page 52 - ORTHOpress 1-20 Rhein-Main
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                                ORTHOpress l Titel
 Sensibilitätsstörungen sind darauf zurückzuführen, dass Sinnes­ reize nicht richtig verarbeitet
werden. Daher kommen bestimmte Signale unter Umständen schwächer, stärker, verzerrt oder überhaupt nicht im Gehirn an. Es kann aber auch sein, dass Eindrücke als fremd und unwirk­ lich empfunden werden. Mitunter ha­ ben Betroffene das Gefühl, dass es auf ihrer Haut kribbelt („Ameisenlaufen“) oder brennt oder dass sie sich taub oder pelzig anfühlt. Manche Menschen leiden unter einer gesteigerten Schmerz­ empfindung, einer sogenannten Hy­ peralgesie. Andere wiederum haben in bestimmten Körperregionen, so als wenn sie betäubt wären, überhaupt keine Empfindungen.
Eine große Bandbreite möglicher Ursachen
Die möglichen Ursachen, die eine Sen­ sibilitätsstörung hervorrufen, sind äu­ ßerst vielfältig. Im harmlosesten Fall kann der Auslöser darin bestehen, dass man sich am Ellenbogen stößt, was dann zu einem vorübergehenden Kribbeln in den Fingern führt. Auch eine temporäre Unterbrechung des Blut­ flusses, wie sie zum Beispiel mit einem „eingeschlafenen Bein“ einhergeht, kann die Empfindungsfähigkeit beein­ trächtigen. Ernster zu nehmen ist die Angelegenheit, wenn eine Nervener­
krankung oder ­schädigung hinter den Symptomen steckt. Nerven können so­ wohl durch Gifte und Infektionen als auch durch mechanische Reizungen, Hautverbrennungen und Verbrühungen Schaden nehmen. Im Folgenden seien einige Faktoren genannt, die unter Um­ ständen als Auslöser infrage kommen:
Sensibilitätsstörungen
Da stimmt etwas nicht
Von Missempfindungen oder Sensibilitätsstörungen (Parästhesien) spricht man, wenn die Fähigkeit gestört ist, körperliche Reize wahr- zunehmen. Dies kann sowohl das mechanische Reizempfinden – etwa
in Bezug auf Druck oder Vibration – als auch Temperatur- und Schmerz- empfindungen sowie das Bewegungs- und Lageempfinden betreffen. Oft dauern die Beschwerden nur eine begrenzte Zeit an, sie können aber auch chronischer Natur sein.
 Æ Bakterielle Infektionen wie Borreliose oder Meningitis
Æ Viruserkrankungen wie Gürtelrose
Æ Migräne mit Aura (Sensibilitäts­ störungen zeigen sich hier meist nur auf einer, manchmal auch auf beiden Gesichtshälften)
Æ Anämie (Blutarmut)
Æ Eisen­ und Magnesiummangel
Æ Medikamente, beispielsweise Chemotherapeutika, Antiepilep­ tika oder bestimmte Serotonin­ Wiederaufnahmehemmer, die als Antidepressiva eingesetzt werden
Æ direkte Nervenschädigungen als Folge einer diagnostischen Untersuchung wie zum Beispiel einer Liquorpunktion
  Æ Erkrankungen des Bewegungs­ apparats wie zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall, durch den die Nerven des Rückenmarks in Mitleidenschaft gezogen werden
Æ Polyneuropathien, etwa als Folge von Diabetes mellitus oder Alkoholismus
Æ neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose (MS) oder Parkinson
Æ Schädigungen des Rückenmarks wie zum Beispiel das sogenannte Hinterhornsyndrom
Æ Hypothyreose (Schilddrüsen­ unterfunktion)
Æ Durchblutungsstörungen, zum Beispiel Arteriosklerose oder periphere arterielle Verschluss­ krankheit (pAVK)
Æ Hirn­ und Rückenmarkstumoren
Æ Engpasssyndrome
Æ Schlaganfall
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Die Probe
mit dem Nadelstich
Um die Ursache für Sensibilitätsstörun­ gen zu erkennen, werden vonseiten des Arztes zunächst bestimmte Informatio­ nen benötigt. Dabei geht es etwa um die Frage, wann die Missempfindungen erstmals aufgetreten sind und welche Körperbereiche sie betreffen. Außer­ dem ist es von Bedeutung, ob Vorer­ krankungen wie Diabetes mellitus oder ein Bandscheibenvorfall vorliegen oder ob der Patient Tabletten einnimmt oder regelmäßig Alkohol konsumiert. Mithil­





































































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