Page 48 - ORTHOpress 1-20 Rhein-Main
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                                                        ORTHOpress l Titel
 Was ist ein Nerv?
Damit wir unseren Arm heben oder eine Zitrone von einer Banane geschmacklich unterscheiden können, benötigen wir ein intaktes Nervensystem, das aus vielen Milliarden einzelner Nervenzellen (Neuronen) und einer deutlich größeren Anzahl an Stützzellen (Gliazellen) besteht. Nerven
leiten elektrische Impulse und geben diese mithilfe chemischer Botenstoffe über sogenannte Synapsen an andere Nervenzellen oder entsprechende Zielzellen in den Organen weiter.
Stellt man die eigentlichen Ner­ venzellen, die Neuronen, in schematisierter Form dar, ähneln
sie einer Baumkrone mit Ästen. Sie be­ sitzen einen Zellkörper, einen Zellkern und mehrere Zellfortsätze. Die Fortsätze bestehen aus einem Axon, das die Form eines langen Strangs hat und bis zu ei­ nem halben Meter lang sein kann, und den sogenannten Dendriten (abgeleitet von dendron=griechisch Baum), wel­ che stark verzweigte Ausläufer bilden.
Während das Axon die elek­ trischen Impulse einer Nervenzelle weiterlei­ tet, nehmen die Den­ driten diese auf. Man bezeichnet die Fort­ sätze auch als Nerven­ fasern. Wenn man von einem Nerv spricht, meint man ein Bündel von Nerven­ fasern, die von einer Bindegewebs­
hülle umgeben sind.
Zentrales und peripheres Nervensystem
Im Hinblick auf die Lage unterscheidet
Zellkörper
Axon Gliazellen
Zellkern (Nucleus)
Dendriten
Nervenzelle (Neuron)
                                                                                                         Synapsen
man zwischen zentralem Nervensys­ tem (ZNS), welches Gehirn und Rü­ ckenmark umfasst, und peripherem Nervensystem (PNS), wozu alle außer­ halb des ZNS liegenden Nerven gehö­ ren. Gemeinsam bilden beide Nerven­ systeme eine funktionelle Einheit. Verdeutlichen lässt sich dies am be­ kannten Beispiel von der Hand und der glühenden Herdplatte. Die Reflexe, dank derer wir die Hand sofort wieder zurückziehen, wenn sie auf das erhitz­ te Metall trifft, beruhen auf einem ge­ nau abgestimmten Zusammenspiel der beiden neuronalen Systeme: Das periphere Nervensystem nimmt über Schmerzrezeptoren in der Haut die In­ formationenüberdieheißeFlächeauf und übermittelt sie an das zentrale Nervensystem. Dieses verarbeitet die eingegangenen Daten so, dass eine angemessene Reaktion möglich wird. Im Falle des sogenannten Rückziehre­ flexes werden die Informationen, ohne dass sie erst im Gehirn verarbeitet wer­ den müssten, direkt im Rückenmark verschaltet und in Impulse umgewan­ delt, die den entsprechenden Befehl an die Muskeln des Arms auslösen.
Weitere Neuronen im Nervensystem
                                                                 Die Nervenimpulse werden in zwei unter­ schiedlichen Richtungen weitergeleitet:
• Vomperipherenzumzentralen Nervensystem. Die zuständigen Nervenbahnen werden als senso­ risch oder afferent bezeichnet.
• VomZNSzudenMuskelnoderOr­ ganen. Die Nerven, welche diese Signale übertragen, werden als motorisch oder efferent bezeichnet.
Somatisches und autonomes Nervensystem
Blickt man auf seine Funktionsweise, lässt sich das Nervensystem in einen somatischen und einen autonomen oder vegetativen Bereich einteilen. So­ matische Nerven können willkürlich ge­ steuert und über Reflexe aktiviert wer­ den. Im autonomen Nervensystem laufen die Prozesse ohne bewusste Kontrolle ab. Wenn wir vor Schreck er­ bleichen, vor Wut rot werden oder un­ ser Herz im Zustand der Panik rast, kön­ nen wir darauf im Allgemeinen keinen Einfluss nehmen. Unterteilt wird das vegetative Nervensystem in einen sym­
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