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 SCHLAFSTÖRUNGEN
LANGFRISTIG EIN ERNSTES PROBLEM
Schlafstörungen (Insomnien) können nicht nur die Nächte belasten, sondern wie dunkle Schatten auch die hellsten Tage verdüstern und den Alltag erheblich erschweren. Während die einen darüber klagen, schlecht ein- oder durchzuschlafen, fühlen sich die anderen tagsüber unausgeruht und bei nicht wenigen geben sich alle Übel gemeinsam ein Stelldichein. Auf Dauer können Gesundheit und Wohlbefinden erheblich unter den damit verbundenen Beeinträchtigungen leiden.
Schlafstörungen können aufgrund von körperlichen und seelischen Erkrankungen, Stress oder un- gesunden Lebensgewohnheiten auf- treten. Eine weit verbreitete Ursache ist die obstruktive Schlafapnoe. Dabei wird die Atmung im Schlaf aufgrund einer Erschlaffung der Muskulatur der oberen Atemwege behindert. Dies führt zu periodisch wiederkehrenden Atem- aussetzern und in der Folge zu einer Senkung des Sauerstoffgehalts im Blut. Die Betroffenen leiden unter einer stark ausgeprägten Tagesmüdigkeit. Darüber hinaus können schlafbezogene Bewe- gungsstörungen wie das Restless-Leg- Syndrom sowie nächtliches Zähnepres- sen oder -knirschen (Bruxismus) die Qualität des Schlafs erheblich beein- trächtigen. Alltagssorgen, Ängste und Depressionen tragen ein Übriges dazu bei, dass Menschen nicht den Schlaf fin- den, den sie eigentlich benötigen.
Schlafmangel kann gefährlich sein
Ein Schlafdefizit kann sich bereits nach wenigen Tagen auf den Gesamtzustand des Betroffenen auswirken. Wohl jeder weiß aus eigener Erfahrung, dass er nach ein oder zwei schlaflosen oder schlafarmen Nächten tagsüber übermü-
det und nur noch eingeschränkt leis- tungsfähig ist. Die Konzentrationsfähig- keit lässt nach und manchmal leidet auch das Gedächtnis. Solche Unan- nehmlichkeiten und Beschwerden ge- hen jedoch im Allgemeinen von allein zurück, sobald sich der gewohnte Nacht- schlaf wieder einstellt. Ganz anders ver- hält es sich, wenn die Schlafprobleme über einen längeren Zeitraum andauern. Dann können ernsthafte Folgen auftre- ten. Zum einen steigt das Risiko für ei- nen Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder einen Herzinfarkt. Zum anderen wird das Immunsystem geschwächt, so- dass die Gefahr wächst, eine Infektions- krankheit zu bekommen. Nicht zuletzt kann Schlafmangel auch zu einem ganz handfesten Problem werden, da er eine der häufigsten Unfallursachen ist.
Findet im Schlaf eine „Gehirnwäsche“ statt?
Warum wir Schlaf so dringend benöti- gen, wird seit Längerem erforscht, ohne dass es bislang zu einem abschließen- den Ergebnis gekommen wäre. Nun wollen US-amerikanische Wissenschaft- ler einen bisher unbekannten Prozess entdeckt haben, der beim Einschlafen in Gang gesetzt werde. Sie stellten fest, dass bei ihren Probanden die Aktivi-
 Wie lange bin ich wirklich
schlaflos?
In einer Freiburger Studie wur- den 27Menschen mit schweren Schlafstörungen und 27Gesunde in einem Schlaflabor getestet. Die Probanden wurden während der REM-Phase, also der Traumpha- se, geweckt und anschließend gefragt, ob sie gerade geschlafen haben oder nicht. Erstaunlicher- weise antwortete jeder sechste Proband mit Schlafproblemen, dass er wachgelegen habe, ob- wohl dies offensichtlich nicht der Fall sein konnte. Bei den Gesun- den traf dies so gut wie gar nicht zu. Befragte man die vermeint- lich Schlaflosen danach, woran sie sich vor dem Einsetzen des Signaltons erinnern konnten, be- richteten sie, dass sie von dem Gedanken gequält wurden, nicht schlafen zu können. Ein Zeichen dafür, dass sie die Sorge vor einer Schlafstörung in ihren Traum ein- gebaut haben. Ein solcher Schlaf, in dem man davon träumt, nicht schlafen zu können, dürfte aller- dings kaum erholsam sein.
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