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Operative Behandlung der zervikalen
Spinalkanalstenose – Wen, Wann, Wie?
Nicht nur an der Lendenwirbelsäule, auch an der Halswirbelsäule kann der Platz für Nerven eng werden und zu verschiedensten Beschwerden führen. Doch die Symptome sind, anders als an der Lendenwirbelsäule, häufig unspezifisch, sodass nicht sofort an eine Spinalkanalstenose gedacht wird, erklärt Neurochirurg Prof. Stefan Zausinger vom Wirbelsäulenzentrum am Stiglmaierplatz (WZAS) in München. Er erläutert, für wen welche Behandlungsmöglichkeiten infrage kommen.
Herr Prof. Zausinger, bei einer Spinal- kanalstenose im Lendenwirbelbereich kommt es oft zur Schaufensterkrankheit, also einem charakteristischen Schmerz in den Beinen, der eine Ruhepause er- fordert. Welche Beschwerden haben Pa- tienten mit einer HWS-Stenose?
Prof. Zausinger: Eine Spinalkanalsteno- se entwickelt sich meistens über einen relativ langen Zeitraum hinweg. Daher dauert es in der Regel Monate bis Jahre, bis die Diagnose gestellt wird. Im Vor- dergrund sind meist Schmerzen im Be- reich des Nackens mit Ausstrahlung zu Schulter und Oberarm, im Verlauf auch häufig bis in die Unterarme, Hände und Finger. Die Schmerzen treten verstärkt bei körperlicher Belastung oder bei be- stimmten Kopfhaltungen auf. Die Symp- tome können aber auch unspezifisch sein, d.h. sie werden von den Betrof- fenen häufig zunächst nicht unbedingt mit einem Problem an der Halswirbel- säule in Verbindung gebracht. Durch die Kompression der Rückenmarksnerven
kommt es zu Wahrnehmungsstörungen und Taubheitsempfindungen an Händen und Fußsohlen, die schleichende Ein- schränkungen im Alltagsleben mit sich bringen. So können Betroffene etwa nur mehr schlecht Knöpfe schließen, lassen Gegenstände fallen oder entwickeln eine Schwäche der Arme und Beine. Unbehandelt wird der Verlust der mo- torischen Fähigkeiten oft immer deutli- cher, sodass die Handschrift unleserlich und krakelig wird, Handarbeiten immer schwerer fallen und der Gang breitbeinig und unsicher wird. Ursache hierfür ist ein Verlust der Tiefensensibilität sowie des Temperatur-, Berührungs- und Schmerz- empfindens. Bei schweren Stenosen kann es zu sexuellen Funktionsstörun- gen oder Verlust der Kontrolle über die Harnentleerung kommen.
Wie kommt es zu einer Spinalkanalste- nose an der Halswirbelsäule?
Prof. Zausinger: Die Ursache der zervika- len Spinalkanalstenose sind degenerativ
bedingte Bandscheibenvorwölbungen und Verdickungen angrenzender Bänder und Knochen, welche auf die Nerven und das Rückenmark im Spinalkanal drücken. Da der Verschleiß der Bandscheiben schleichend verläuft, entsteht das Prob- lem mit der Zeit. Neben der rein degene- rativ bedingten Spinalkanalstenose gibt es seltener auch angeborene Verengun- gen des Spinalkanals sowie Einengungen durch Instabilitäten, welche aber meist auch die Folge von Verschleißerschei- nungen sind. Durch die demographische Veränderung unserer Gesellschaft steigt dabei die Häufigkeit von Spinalkanal- stenosen an. Bei über 25 Prozent aller 70-Jährigen lässt sich eine Verringerung des Spinalkanalquerschnitts nachwei- sen, was jedoch nicht immer zu entspre- chenden Symptomen führt.
Mit welchen Mitteln kann eine Spinal- kanalstenose zweifelsfrei diagnosti- ziert werden?
Prof. Zausinger: Neben der klinischen
Verengter Wirbelkanal Normaler Wirbelkanal





















































































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