Diabetes 

VonStefanie Zerres

Diabetes 

Diabetes ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, durch die es langfristig zu zum Teil schwerwiegenden Folgeerkrankungen kommen kann, z. B. zu einer dialysepflichtigen Niereninsuffizienz. Je besser aber der Stoffwechsel eingestellt ist, umso später treten Folgeschäden auf. Zur Regulierung des Blutzuckergehaltes stehen heute verschiedene Methoden zur Verfügung, bei denen es immer wieder neue Entwicklungen gibt.

Diabetes geht mit erhöhten Zuckerwerten im Blut, im Urin und im Gewebe einher und kann langfristig zu erheblichen Schäden an verschiedensten Organen führen. Ursache ist entweder ein Mangel an Insulin, dem Hormon der Bauchspeicheldrüse, das maßgeblich für den Transport des Zuckers aus dem Blut vor allem in Muskelzellen sorgt, oder ein mangelhaftes Ansprechen des Gewebes auf Insulin, eine Insulinresistenz. Während beim Diabetes Typ 1 die Bauspeicheldrüse (Pankreas) kein oder fortschreitend weniger Insulin produziert, besteht beim häufiger vorkommenden Typ 2 meist zunächst die Insulinresistenz. Um die erhöhte Konzentration von Glukose (Zucker) im Blut hierbei zu regulieren, produzieren die Langerhansschen Inselzellen der Bauchspeicheldrüse noch mehr Insulin. Dies führt auf die Dauer zu einer völligen Überlastung der Insulin bildenden Zellen, sodass später auch beim Diabetes Typ 2 die Fähigkeit, Insulin zu produzieren, verloren gehen kann.

Ein zu hoher Blutzuckerspiegel fällt oft auf durch Müdigkeit, übermäßigen Durst und eine erhöhte Infektanfälligkeit. Diese Symptome sind häufig auch der erste Anlass für eine Untersuchung auf Diabetes. Schwerer wiegen aber die Erkrankungen von Organen und Gefäßen. Neben Schädigungen der Nieren sind Augenerkrankungen, Wundheilungsstörungen, der diabetische Fuß sowie Gefäßerkrankungen häufige Folgeerkrankungen. Diabetes ist also eine Krankheit, die den Alltag der Betroffenen verändert. Die wichtigsten und effektivsten Therapieansätze sind Reduzierung von Übergewicht und mehr Bewegung, um die Muskelmasse zu erhöhen. Je mehr Muskelzellen vorhanden sind, umso mehr Zucker kann aus dem Blut in das Gewebe aufgenommen werden. Oft reichen diese Maßnahmen über Jahre aus, den Stoffwechsel zu balancieren. Wenn dennoch die Blutzuckerwerte dauerhaft erhöht bleiben, stehen heute eine Reihe von seit Jahren bewährten Medikamenten zu Verfügung, mit denen in der Regel eine gute Stoffwechseleinstellung erreicht werden kann. 

Orale Antidiabetika 

Wenn der Körper kein oder zu wenig Insulin produziert, muss dieses Hormon von außen zugeführt werden. Für insulinpflichtige Patienten sind derzeit noch keine Medikamente in Tablettenform auf dem Markt. Da Insulin als Eiweiß von der Magensäure beschädigt würde, muss es über Injektionen direkt in den Blutkreislauf gebracht werden. Diabetiker vom Typ 2 mit verbliebener Insulinproduktion können jedoch von verschiedenen systemischen Wirkstoffen, die zum Teil auch in Kombination mit-einander angewendet werden, profitieren. Diese beruhen auf unterschiedlichen Ansätzen. Das am häufigsten genutzte Mittel Metformin gehört zu den sogenannten Biguaniden und soll verhindern, dass zu viel Glukose in der Leber gebildet und mehr Zucker in Fett- und Muskelgewebe gespeichert wird. Es reduziert das kardiovaskuläre Risiko. Andere Präparate sorgen dafür, dass mehr Insulin freigesetzt wird. Dazu gehören die sogenannten Sulfonyl-Harnstoffe, die allerdings nicht so häufig angewendet werden, und die Glinide. Dieses Prinzip funktioniert aber nur, solange noch eine körpereigene Insulinproduktion möglich ist. Wiederum andere, wie die sogenannten Alpha-Glucosidase-Hemmer, beeinflussen die Verwertung von Kohlenhydraten im Darm, sodass der Zucker langsamer ins Blut gelangt.

Ein neuer Wirkstoff macht derzeit von sich Reden: SGLT-2-Hemmer sorgen dafür, dass mehr Zucker im Urin abtransportiert wird. Denn sie hemmen den Rückresorptionsmechanismus für Glukose in den Nieren. Dies geht mit einer Reduktion des Körpergewichtes und des Blutdrucks einher. Ähnlich wie bei Metformin sollen auch die SGLT-2-Hemmer in Medikamenten wie Dapagliflozin oder Empagliflozin das diabetesbedingte Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen senken. Allerdings ist das Risiko einer Unterzuckerung wohl etwas erhöht. Außerdem kann es – vor allem bei älteren Patienten – zu einem stärkeren Flüssigkeitsverlust kommen. Zudem begünstigt die höhere Zuckerkonzentration im Urin, die Keimen unter Umständen einen Nährboden bietet, das Auftreten von Entzündungen im Uro-Genitalbereich.

Natürlich gilt es bei allen Wirkstoffen die eventuellen Nebenwirkungen zu berücksichtigen und somit die Medikation auf den jeweiligen Patienten abzustimmen. So sollten beispielsweise Personen mit bereits vorhandenen Darm- oder Nierenproblemen eher keine Alpha-Glucosidase-Hemmer einnehmen. 

Ersetzen, was nicht mehr funktioniert

Derzeit in der breiteren Anwendung noch eher Zukunftsmusik, aber in der Forschung große Hoffnungsträger sind Methoden, die an den Diabetes-Ursachen ansetzen. So können einzelne Inselzellen von einem Spenderorgan isoliert und dann in die Leber eines Patienten transplantiert werden, wo sie Insulin produzieren sollen. Dies kommt derzeit bei wenigen Typ 1-Diabetikern zur Anwendung.

Die Transplantation einer ganzen Spender-Bauchspeicheldrüse kann in schweren Diabetes-Verläufen mit einhergehendem Nierenversagen in Betracht gezogen werden. Da bei Organtransplantationen zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen Medikamente eingenommen werden müssen, die Immunreaktionen blockieren, wird die Transplantation von einer Bauchspeicheldrüse eher in Kombination mit einer Nierentransplantation durchgeführt, da dann ohnehin schon immunsupressive Medikamente benötigt werden. 

2013 wurde in Dresden erstmalig einem Typ 1-Diabetiker ein Bioreaktor in Form einer kleinen Dose transplantiert. Darin befanden sich Inselzellen, die über ca. ein Jahr Insulin produzierten. Durch den Schutz der Dose, die unter der Bauchdecke eingesetzt wurde, konnte eine Abstoßungsreaktion des Immunsystems vermieden und auf entsprechende Medikamente verzichtet werden. 

Eine komplett künstliche Bauchspeicheldrüse, die sowohl unabhängig von einem Spenderorgan als auch von immunblockierenden Wirkstoffen ist, wurde auch bereits entwickelt und ist in Erprobung. Wann sie allerdings marktreif sein wird, ist noch nicht klar. Diese Geräte geben das Insulin bedarfsgerecht ab und reagieren selbstständig auf die Stoffwechselvorgänge. Sie sind somit also nicht zu verwechseln mit den bereits lange üblichen Insulinpumpen, da hierbei der Betroffene selbst messen und dosieren muss.

Therapie durch den Chirurgen 

Der Diabetes vom Typ 2 wird in vielen Fällen durch Übergewicht – insbesondere, wenn sich dieses im Bauchbereich befindet – ausgelöst. Dieses zu verlieren ist ein wichtiger Bestandteil der Diabetes-Therapie und kann die Erkrankung in Kombination mit ausreichend körperlicher Aktivität nachweislich verbessern. In manchen Fällen können Betroffene sogar auf ihre Medikamente verzichten. Doch gerade bei stark adipösen Patienten ist die dafür ausreichende Gewichtsreduktion oftmals schwer zu erreichen. Chirurgische Eingriffe wie z. B. ein Magenbypass können in solchen Fällen für Abhilfe sorgen. Die Adipositas-Chirurgie bzw. bariatrische Operationen sind nicht neu, aber ihre Bedeutung bei der Behandlung von Diabetes gerät in letzter Zeit verstärkt in den Fokus. Denn bei den meisten Patienten verbessern sich nach einem solchen Eingriff sowohl der Diabetes als auch damit einhergehende Erkrankungen. Natürlich handelt es sich dabei um starke Veränderungen des Körpers, die auch Risiken mit sich bringen und daher gut abgewägt werden müssen. So kommt es beispielsweise häufig zu Nährstoffdefiziten wie Eisenmangel, die dann entsprechend behandelt werden müssen.

von Sandra Müller-Jansen

aus ORTHOpress 2/17

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